Baurenauffrhur (Enoch Widman): Unterschied zwischen den Versionen

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Aktuelle Version vom 22. August 2026, 15:13 Uhr

Baurenauffrhur

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Anno 1525 ist der baurenauffrhur an vielen orten deudsches landes wider die ordentliche obrigkeit und wider die geistlichen entstanden, da die bauernschafft und ihre helffershelffer in Algau, Schwaben, Beyern, Osterreich, item umb Saltzburg, in der Steiermarck, im land zu Wirtenberg, Francken, Sachssen, Thuringen, Elsas und anderßwo mehr unter dem schein der evangelischen freiheit, sich mit gewapneter faust wider ihre geistliche und weltliche oberherren legeten und derwegen innerhalb 3 monaten bei 100000 umbkamen, die da jemmerlich ermordet, erschossen, erschlagen und erstochen wurden und das gemeine sprichwort „Wer über sich heuet, dem fallen die späne in die augen“ mit ihrem eignen schaden bestetigten. Dieses spiel ist von den beden teuffelßpropheten Nicolao Storchen und Thoma Muntzern und derselben anhengern, alß der Sachen principalen und redleinfuhrern, dem lieben evangelio zu verdrus, erreget worden, nachdem sie die albern leut beredet, Gott wurde selbst die obrigkeit [S. 316] sturtzen und zu grundt außrotten und gar ein neu engelreines regiment uff erden anfangen, darinnen sie auch wurden furtreffliche heubter werden und uber andere herschen. Unter andern auffrhurischen haben sich auch ettliche bei Plauen, der benachbarten stadt, gesamlet und zu feldt geleget, in meinung, sich je lenger je mehr zu stercken. Wie sie dann die stad Hof auch gerne zu sich gezogen und ihrem unbillichen furnehmen anhengig gemachet hetten. Es waren auch nicht wenig burger und handtwercksleut allhie, denen des Storchen grillen und hundsmucken, von austilgung der obrigkeit und uffrichtung einer neuen freiheit aller ding, noch im kopff stacken, meineten, sie dörfften hernach nicht mehr arbeiten, der obrigkeit auch kein rendt und steuer geben, sie wurden alle gnug haben und selbst herren sein, wann sie der fursten und herren, auch der bischoff und pfaffen guter unter sich theileten und wolten derhalben den plauischen einen beistandt leisten und sich zu ihnen schlagen. Aber Gott verhinderte gleichwol die bösen practicken und heimlichen anschlege durch der obrigkeit ernstes verbot, daß sie von ihrem bösen vorsatz abstundten, wie dann auch herr magister Caspar Löner seliger, Wolffgang Thech und andere geistlichen mehr, das ihre dabei theten und die leut in ihren predigten vor auffrhur treulich warneten. Sonsten hette es leichtlich geschehen konnen, das gemeine stadt sich zu den auffrhurischen bauren gehalten und neben ihnen in das euserste verderben, angst und not kommen were, weil sonderlich die leut, wegen der gewunschten wolfeilen zeit, frech wurden und gerne was neues angefangen hetten.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 315f.