Pflanzenallegorese B (Z75b): Unterschied zwischen den Versionen
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=== A (14r–17r) === | |||
Erste Auslegung von 22 Pflanzen, vollständig entsprechend der bekannten Kurzfassung: Jede Pflanze erhält eine minnethematische Bedeutung, gegliedert in Bäume, Sträucher, kleine Gewächse und zwei symbolische Blumen. | |||
=== B (17r–18v) === | |||
Zweite Auslegung von neun Pflanzen, geordnet in zwei allegorische Blumen, zwei Sträucher und fünf kleine Gewächse: | |||
*1. Clauterblumen – Herz ohne Beständigkeit, leicht mit der Gesellschaftsblume zu verwechseln. | |||
*2. Gesellschaftsblümlein / weiße Blümlein – wertvollste Blume; steht für gute Gesellschaft. | |||
*3. Feigenbaum – durch Gaben erkaufte Liebe. | |||
*4. Holder – Freundschaft und Gewogenheit; Gegenteil: brüchige Liebe. | |||
*5. Farnlaub – verzweifelte Hoffnungslosigkeit, ähnlich der Zähmung eines unsteten „Federspiels“. | |||
*6. Hopfen – große Worte über Treue ohne inneren Gehalt. | |||
*7. Rosen – Minnefreuden im Rahmen von Ehre und Ansehen; möglicher Bezug zu jugendlicher Treue. | |||
*8. Nesselblätter – heiß brennende Liebe. | |||
*9. Heide – ohne Gesellschaft und doch nicht allein; Abwendung von ungleichen Freunden, Hinwendung zu passenden Gefährten. | |||
=== C Erster versifizierter Schluss (18v) === | |||
Ein Sprecher richtet einen moralischen Appell an männliche Zuhörer und warnt vor dem ungleichen Lohn wankelmütiger Frauen. Er empfiehlt das Tragen weißer, gelber, brauner und roter Blumen, besonders einer gelben, die in Liebesnot helfen solle. Der korrigierte Schlusssatz preist diese Blume als hilfreich für heimliche Liebende. | |||
=== D Dritte Pflanzenauslegung (18v) === | |||
Fragmentarischer Abschnitt, der nur die Namen *Vergissmeinnicht* und *Augentrost* nennt, ohne Auslegung. Vermerkt wird lediglich, dass jedermann sie tragen könne, sofern sie empfohlen würden. | |||
=== E Zweiter versifizierter Schluss (18v–19r) === | |||
Die Pflanzenallegorese erweitert sich zu allgemeiner Minne- und Tugendlehre. Der Vierzeiler vom *Weißen Blümlein* wird erneut aufgenommen und in eine direkte Ansprache des Publikums eingebettet. Das Blümlein steht für gute Gesellschaft als Grundlage aller Freude, als menschliches Bedürfnis und als Tugend. Während zuvor Frauen kritisiert wurden, richtet sich hier der Vorwurf gegen Männer, deren mangelnde Leidensfähigkeit für den Rückgang guter Gesellschaft verantwortlich sei. Der Sprecher bittet Gott um Abhilfe, zum Nutzen beider Geschlechter. | |||
(Ausführliche Inhaltsangabe bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], Band 1, S. 1083-1085) | |||
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Aktuelle Version vom 8. April 2026, 19:30 Uhr
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Pflanzenallegorese B (Z75b); Was allerlei Blätter bedeuten | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung um 1445 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 2370, 14r-18v; 17r; 18v; 18v-19r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 1083-1085 |
Dieser Text ist Bestandteil der Textreihe Pflanzenallegorese (Z75).
Inhalt
A (14r–17r)
Erste Auslegung von 22 Pflanzen, vollständig entsprechend der bekannten Kurzfassung: Jede Pflanze erhält eine minnethematische Bedeutung, gegliedert in Bäume, Sträucher, kleine Gewächse und zwei symbolische Blumen.
B (17r–18v)
Zweite Auslegung von neun Pflanzen, geordnet in zwei allegorische Blumen, zwei Sträucher und fünf kleine Gewächse:
- 1. Clauterblumen – Herz ohne Beständigkeit, leicht mit der Gesellschaftsblume zu verwechseln.
- 2. Gesellschaftsblümlein / weiße Blümlein – wertvollste Blume; steht für gute Gesellschaft.
- 3. Feigenbaum – durch Gaben erkaufte Liebe.
- 4. Holder – Freundschaft und Gewogenheit; Gegenteil: brüchige Liebe.
- 5. Farnlaub – verzweifelte Hoffnungslosigkeit, ähnlich der Zähmung eines unsteten „Federspiels“.
- 6. Hopfen – große Worte über Treue ohne inneren Gehalt.
- 7. Rosen – Minnefreuden im Rahmen von Ehre und Ansehen; möglicher Bezug zu jugendlicher Treue.
- 8. Nesselblätter – heiß brennende Liebe.
- 9. Heide – ohne Gesellschaft und doch nicht allein; Abwendung von ungleichen Freunden, Hinwendung zu passenden Gefährten.
C Erster versifizierter Schluss (18v)
Ein Sprecher richtet einen moralischen Appell an männliche Zuhörer und warnt vor dem ungleichen Lohn wankelmütiger Frauen. Er empfiehlt das Tragen weißer, gelber, brauner und roter Blumen, besonders einer gelben, die in Liebesnot helfen solle. Der korrigierte Schlusssatz preist diese Blume als hilfreich für heimliche Liebende.
D Dritte Pflanzenauslegung (18v)
Fragmentarischer Abschnitt, der nur die Namen *Vergissmeinnicht* und *Augentrost* nennt, ohne Auslegung. Vermerkt wird lediglich, dass jedermann sie tragen könne, sofern sie empfohlen würden.
E Zweiter versifizierter Schluss (18v–19r)
Die Pflanzenallegorese erweitert sich zu allgemeiner Minne- und Tugendlehre. Der Vierzeiler vom *Weißen Blümlein* wird erneut aufgenommen und in eine direkte Ansprache des Publikums eingebettet. Das Blümlein steht für gute Gesellschaft als Grundlage aller Freude, als menschliches Bedürfnis und als Tugend. Während zuvor Frauen kritisiert wurden, richtet sich hier der Vorwurf gegen Männer, deren mangelnde Leidensfähigkeit für den Rückgang guter Gesellschaft verantwortlich sei. Der Sprecher bittet Gott um Abhilfe, zum Nutzen beider Geschlechter.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 1083-1085)