Die zehn Schwestern (B444): Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 13. März 2026, 10:20 Uhr
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Die zehn Schwestern (B444); Der Mannheit Klage | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Ende 14. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Gruppe 1:
Gruppe 2:
Gruppe 3:
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| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Altenhöfer, Florian: Die zehn Schwestern; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 772-775 |
Inhalt
A Klage der Manheit (1–271)
Der Sprecher befindet sich von Beginn an in der Anderwelt und trifft dort auf eine namenlose Dame, die in tiefer Klage zweimal in Ohnmacht fällt, bevor er sie wiederbelebt. Um sie zu trösten, preist er sie überschwänglich, doch erst nach mehreren Anläufen erfährt er den Grund ihres Leids: Sie ist eine von zehn königlichen Schwestern, von denen acht ohne Erben gestorben sind. Sie nennt ihre Namen – Gerechtigkeit, Maß, Beständigkeit, Wahrheit, Treue, Scham, Bescheidenheit und Mildtätigkeit – und berichtet, dass die neunte Schwester, Minne, schwer erkrankt sei und dadurch ihr Wesen verloren habe. Als älteste und bedeutendste Tugend sei Minne grundlegend für Schöpfung und Erlösung. Auf Nachfrage nennt die Dame schließlich ihren eigenen Namen: Manheit. Sie rühmt ihre weltweite Macht und beschreibt sich als ungestüm und zerstörerisch wie ein Sturm.
B Das Regiment der Manheit (272–341)
Der Sprecher kritisiert Manheit scharf für ihr rücksichtsloses Wirken und verweist auf gelehrte Autoritäten. Ohne die anderen Tugenden sei ihr Alleinregiment sündhaft und habe das Rittertum entarten lassen, was er in einer Reihe drastischer Tätigkeitswörter veranschaulicht. Er betont zudem, dass wahres Rittertum untrennbar mit Minne verbunden sei.
C Die Schule der Tugenden (342–589)
Auf die Frage, warum Ritter heute nicht mehr nach den Tugenden erzogen würden, schildert Manheit die frühere Ordnung: Wenn ein junger Mann Ritter werden wollte, berief sie gemeinsam mit ihren Schwestern ein großes Parlament ein, in dem der Anwärter ihre Lehren prüfen und dauerhaft in sein Herz einschreiben sollte. Erneut treten die neun Tugenden auf und tragen in derselben Reihenfolge ihre Unterweisungen vor. Dabei wird die besondere Stellung der Minne hervorgehoben, die als höchste Kraft des Rittertums gilt und dem jungen Mann eindringlich ans Herz gelegt wird. Manheit schließt mit dem Hinweis, dass Ritterschaft ohne die Tugenden nicht bestehen könne.
D Zeitklage (591–671)
Auf die Frage, wie ein Mann heute noch Ritterschaft erwerben könne, antwortet Manheit resigniert: Sie habe keine Verbündeten mehr. Einzig die Missgunst stehe ihr zur Seite und habe die Rolle der Lehrmeisterin übernommen, indem sie junge Männer zu neidischem Wettstreit antreibe. Die Krankheit der Minne habe zudem Wankelmut hervorgebracht, und die Männer richteten sich nur noch nach den wechselnden Wünschen der Frauen, die ihrerseits die ritterliche Erziehung nicht mehr unterstützten. Beide Geschlechter hätten vergessen, dass ein Ritter unzählige Tugenden besitzen müsse.
E Auftrag (672–680)
Bevor Manheit verschwindet, erteilt sie dem Sprecher den Auftrag, in der Welt falschen Urteilen über sie entgegenzutreten und sie zu verteidigen, da er wisse, weshalb sie ihrer Freuden beraubt sei.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 772-775)