Wunderzeichen 1505 (Enoch Widman): Unterschied zwischen den Versionen

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In derselben nacht haben die fischer zu Prag uff der Elb grosse vier schwarze schubel ruß und bald darauff rote creutz vom himel uff das wasser fallen sehen,<ref>Marginalie: "Deutung der vielfeltigen zeichen".</ref> also das doctor Luther in seinem „Chronico“ nicht vergebens sagt, das umb diese zeit sehr viel wunderbarlicher Zeichen am himel, uff erden und in wassern geschehen sindt, und daß von keiner zeit gelesen wird, darinnen mehr und grössere wunderzeichen zugleich und bald uffeinander geschehen weren. Und haben solche Zeichen angezeigt die grossen unerhörten wunderlichen Sachen, die sich im geistlichen und weltlichen standt, in diesen 100 jharen, von dem 1500. biß uff das 1600., nacheinander begeben und zugetragen. Daraus zu vermuten, daß der selige letzte tag vor der thur sei.
In derselben nacht haben die fischer zu Prag uff der Elb grosse vier schwarze schubel ruß und bald darauff rote creutz vom himel uff das wasser fallen sehen,<ref>Marginalie: "Deutung der vielfeltigen zeichen".</ref> also das doctor Luther in seinem „Chronico“ nicht vergebens sagt, das umb diese zeit sehr viel wunderbarlicher Zeichen am himel, uff erden und in wassern geschehen sindt, und daß von keiner zeit gelesen wird, darinnen mehr und grössere wunderzeichen zugleich und bald uffeinander geschehen weren. Und haben solche Zeichen angezeigt die grossen unerhörten wunderlichen Sachen, die sich im geistlichen und weltlichen standt, in diesen 100 jharen, von dem 1500. biß uff das 1600., nacheinander begeben und zugetragen. Daraus zu vermuten, daß der selige letzte tag vor der thur sei.
In diesem 1505. jhar, Sonnabend nach Tiburtii, den 19. aprilis,<ref>Marginalie: "Folgen andere Zeichen, so in diesem jhar geschehen".</ref> war der nechste tag nach dem Vollmonden ettwas trüb und schinne die sonn so bleich, schwertzlich und traurig, alß wenn ein grosse finsternus derselben gewesen were. Sontag hernacher ging sie zu morgens gar blutffarb auff, darnach folgete ein zeitlang trucknes wetter.
Eben in diesem jhar hat sich auch umb Michaelis (wie solches magister Johannes Lindnerus in „Appendice ad fasciculum temporum“ annotirt) ein neuer grosser stern zu morgens von 4 hor an biß umb 8 hor vormittag sehen lassen, welcher so hell leuchtete, daß man umb Simonis und Judae (da der mond neu und derowegen die nacht tunckel und finster war) fru morgens dabei reisen und wol sehen kundte, dann er gab so ein helles licht von sich alß der mond bei nacht, wenn er scheinet. Eo tempore Iupiter et Venus fuere orientales et propte- rea ante solis exortum conspicui. Quid si alter ex his planetis imposuerit aspicientibus?


== Anmerkungen==
== Anmerkungen==

Aktuelle Version vom 20. August 2026, 13:48 Uhr

Wunderzeichen 1505

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Anno 1505, am tag Erhardi, den 8. januarii, uff den abendt, da ein [255] weib für das grosse crucifix zu Pilsen in Behem (welches vor der stad zwischen zweien schechern uffgerichtet gewesen) gegangen, hat dasselbe crucifix mit grossen krachen und prasseln des holtzs, daran es genagelt war, sich wunderlicher weis von sich selbsten gegen dem schecher zur rechten handt gewendet. Dieses hat das weib in der stad angezeigt und ist hernacher das crucifix viel jhar lang, mit idermans grosser Verwunderung, also stehend blieben.

In derselben nacht haben die fischer zu Prag uff der Elb grosse vier schwarze schubel ruß und bald darauff rote creutz vom himel uff das wasser fallen sehen,[2] also das doctor Luther in seinem „Chronico“ nicht vergebens sagt, das umb diese zeit sehr viel wunderbarlicher Zeichen am himel, uff erden und in wassern geschehen sindt, und daß von keiner zeit gelesen wird, darinnen mehr und grössere wunderzeichen zugleich und bald uffeinander geschehen weren. Und haben solche Zeichen angezeigt die grossen unerhörten wunderlichen Sachen, die sich im geistlichen und weltlichen standt, in diesen 100 jharen, von dem 1500. biß uff das 1600., nacheinander begeben und zugetragen. Daraus zu vermuten, daß der selige letzte tag vor der thur sei.

In diesem 1505. jhar, Sonnabend nach Tiburtii, den 19. aprilis,[3] war der nechste tag nach dem Vollmonden ettwas trüb und schinne die sonn so bleich, schwertzlich und traurig, alß wenn ein grosse finsternus derselben gewesen were. Sontag hernacher ging sie zu morgens gar blutffarb auff, darnach folgete ein zeitlang trucknes wetter.

Eben in diesem jhar hat sich auch umb Michaelis (wie solches magister Johannes Lindnerus in „Appendice ad fasciculum temporum“ annotirt) ein neuer grosser stern zu morgens von 4 hor an biß umb 8 hor vormittag sehen lassen, welcher so hell leuchtete, daß man umb Simonis und Judae (da der mond neu und derowegen die nacht tunckel und finster war) fru morgens dabei reisen und wol sehen kundte, dann er gab so ein helles licht von sich alß der mond bei nacht, wenn er scheinet. Eo tempore Iupiter et Venus fuere orientales et propte- rea ante solis exortum conspicui. Quid si alter ex his planetis imposuerit aspicientibus?

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 254f. Marginalie: "Abermal viel wunderzeichen".
  2. Marginalie: "Deutung der vielfeltigen zeichen".
  3. Marginalie: "Folgen andere Zeichen, so in diesem jhar geschehen".