Lob der Frauen III (B270): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
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===A Prolog===
===A Fragmentarischer Anfang===
Der Sprecher berichtet, eine Dame habe ihn beauftragt, zum Neuen Jahr ein Gedicht zu verfassen, das den heilsamen Nutzen der Frauen preisen solle. Er erklärt jedoch, sein Geist sei zu schwerfällig, da er nie die Gunst einer Frau erfahren habe; diese Unfähigkeitsbeteuerung wiederholt er mehrfach. Sein einziger Trost sei die Hoffnung auf künftigen Minnelohn, der unsichtbar sei. Dennoch beteuert er, dass man auch ohne eigene Erfahrung Kompetenz im Minnediskurs gewinnen könne — durch die Schriften weiser Meister und durch Gespräche in höfischer wie städtischer Umgebung.
Nach zwei inhaltlich blassen Anfangsversen folgt eine kurze schematische Belehrung über den Wert der Frauen. In drei anaphorisch gebauten Sätzen verbindet der Sprecher den Leitbegriff wyp mit metaphorischen Bildern wie Morgenröte, Anger und irdische Krone der Freuden.


===B Erster Frauenpreis===
===B Erster Frauenpreis===
In direkter Apostrophe preist er die Frauen in blumigen Genitivbildern: Paradies der Wonne, Spiegel der Tugenden, Quelle veredelnder Wirkung auf die Männer. In dreifacher Anapher steigert er den Einfluss der Frau hyperbolisch bis zum Kaisertopos.
Der Sprecher erklärt, dass der Ruhm der Höfe von Artus und Alexander nicht auf ritterlicher Stärke beruhe, sondern auf wyflich wyf. Frauen seien Leidvertreib, besänftigten Zorn, vermehrten Minnefreude, linderten Minneleid und heilten Minnekranke.


===C Liebesbekenntnis===
===C Klafferschelte===
Er gesteht, dass er allem Gold der Welt eine Frau vorziehen würde, die ihm treu gewogen sei. Eine solche kenne er: sanft, beständig und überaus zart, fähig, sein Leid in Freude zu verwandeln.
Er mahnt alle Männer im Minnedienst, gut über Frauen zu sprechen, und tadelt die Frauenverleumder. Selbst hochgestellte Minnefeinde würden gesellschaftlich isoliert. Er wünscht ihnen göttliches Leid und wiederholt seinen Rat, nur Gutes über Frauen zu sagen.


===D Zweiter Frauenpreis===
===D Zweiter Frauenpreis===
Der Schluss durch Blattverlust fragmentarisch — variiert und erweitert in einer durchbrochenen Anaphernkette die bisherigen Motive: die Frau als Leidvertreib, als Ursache und Heilerin der Minnewunden und als edle Erzieherin der nach höfischen Tugenden strebenden Männer.
In einer vierfachen Anapher preist er Wesen und Wirken der Frauen hyperbolisch. Frauen könnten im Geheimen wirken, aber auch öffentlich Macht und Gewalt zu Fall bringen über alle sozialen Gruppen hinweg. Verbinde sich eine treue Frau mit einem tugendhaften Mann und wahre Verschwiegenheit, werde sie zu seinem Leidvertreib und seiner Freudenbringerin. Erneut fordert er die Männer auf, gut über Frauen zu sprechen, und verspricht Minnelohn.
 
===E Allgemeingültigkeit des Frauenpreises===
Er besteht darauf, alle Frauen zu loben, auch wenn es Ausnahmen gebe. Güte und Nutzen der Frauen seien sprachlich nicht auszuschöpfen. Er wolle ein „gutes Weib“ wahrhaft beschreiben und Gutes mit Gutem vergelten.
 
===F Schluss===
Der Text endet mit vier geistlichen Schlussformeln: Segenswünsche für edle und makellose Frauen, für die Geliebte, für alle edlen Frauen und schließlich eine Bitte an Gott um jene Freuden, die nur Frauen schenken können — bis Maria selbst „uns“ mit ihrem Freudenkleid bedecke.


(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 423f.)
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 423f.)

Aktuelle Version vom 5. Februar 2026, 21:23 Uhr

Lob der Frauen III (B270)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung erstes Viertel 15. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgf. 922, 18ra-19ra
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Lob der Frauen III; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 423f.

Inhalt

A Fragmentarischer Anfang

Nach zwei inhaltlich blassen Anfangsversen folgt eine kurze schematische Belehrung über den Wert der Frauen. In drei anaphorisch gebauten Sätzen verbindet der Sprecher den Leitbegriff wyp mit metaphorischen Bildern wie Morgenröte, Anger und irdische Krone der Freuden.

B Erster Frauenpreis

Der Sprecher erklärt, dass der Ruhm der Höfe von Artus und Alexander nicht auf ritterlicher Stärke beruhe, sondern auf wyflich wyf. Frauen seien Leidvertreib, besänftigten Zorn, vermehrten Minnefreude, linderten Minneleid und heilten Minnekranke.

C Klafferschelte

Er mahnt alle Männer im Minnedienst, gut über Frauen zu sprechen, und tadelt die Frauenverleumder. Selbst hochgestellte Minnefeinde würden gesellschaftlich isoliert. Er wünscht ihnen göttliches Leid und wiederholt seinen Rat, nur Gutes über Frauen zu sagen.

D Zweiter Frauenpreis

In einer vierfachen Anapher preist er Wesen und Wirken der Frauen hyperbolisch. Frauen könnten im Geheimen wirken, aber auch öffentlich Macht und Gewalt zu Fall bringen — über alle sozialen Gruppen hinweg. Verbinde sich eine treue Frau mit einem tugendhaften Mann und wahre Verschwiegenheit, werde sie zu seinem Leidvertreib und seiner Freudenbringerin. Erneut fordert er die Männer auf, gut über Frauen zu sprechen, und verspricht Minnelohn.

E Allgemeingültigkeit des Frauenpreises

Er besteht darauf, alle Frauen zu loben, auch wenn es Ausnahmen gebe. Güte und Nutzen der Frauen seien sprachlich nicht auszuschöpfen. Er wolle ein „gutes Weib“ wahrhaft beschreiben und Gutes mit Gutem vergelten.

F Schluss

Der Text endet mit vier geistlichen Schlussformeln: Segenswünsche für edle und makellose Frauen, für die Geliebte, für alle edlen Frauen und schließlich eine Bitte an Gott um jene Freuden, die nur Frauen schenken können — bis Maria selbst „uns“ mit ihrem Freudenkleid bedecke.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 423f.)