Lob der Jungfrau Maria (B276): Unterschied zwischen den Versionen
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===A Prolog=== | |||
Der Sprecher möchte eine kunstvolle „Erfindung“ gestalten, in der er zeigt, welche Freude in reinen Frauen liegt und welchen Reichtum ihre Liebe schenkt. Er betont den Wert mühevollen Frauendienstes, erklärt aber zugleich, als junger, unerfahrener Mann verstehe er davon eigentlich nichts. Dennoch will er ein Gedicht „aus Gold schmelzen“, mit klarem Verstand ausstatten und dunkle Bedeutungen ordnen. Obwohl ihm auch dafür die Kunst fehle, müsse er es tun, weil Wille und Auftrag einer Dame ihn dazu verpflichten. Er habe sich selbst in diese Lage gebracht, denn er wolle diese Dame über alle anderen Frauen loben und hoffe auf ihre Gnade. Sie solle ihm helfen, die himmlische Jungfrau um Unterstützung anzurufen. Doch sobald er an seine Dame denke, verliere er jede Kunstfertigkeit; sein Lob sei wie weiches Blei gegen einen Diamanten und wie der Ruf des Kuckucks gegen den Gesang der Nachtigall. | |||
===B Frauenlob=== | |||
Der Sprecher preist die Schönheit und Tugend der Dame, die alle anderen Frauen überrage und Quelle aller Freude sei. Besonders den Gebildeten empfiehlt er sie als Trostquelle, sofern sie beständig und heimlich lieben. Er kündigt an, sie mit der Sonne zu vergleichen, hebt ihre edle Herkunft und ihre makellose Schöpfung durch Gott hervor und preist den glücklich, der durch Dienst ihre Liebe gewinnen kann. | |||
===C Vergleich der Dame mit der Sonne=== | |||
Der Sprecher entfaltet einen umfassenden Sonnenvergleich. Er referiert zunächst die gelehrte Beschreibung der Sonne als Lebensspenderin, heiß und klar. Diese drei Eigenschaften überträgt er einzeln auf die Dame. Ihre Schönheit beschreibt er nach dem klassischen Schema von Kopf bis Fuß: Haare, Augen, Brauen, Kehle, Mund, Wangen, Stimme, Körper, Arme, Hände und Finger. Er lobt ihre Verschwiegenheit und Bildung, die im ganzen Land ihresgleichen suche. Die Hitze der Sonne findet ihre Entsprechung in der Kraft ihrer Liebe, die Untreue in Treue verwandelt und dem Liebenden Glück und Beständigkeit schenkt. Ohne diese Liebe falle man dem Unglück anheim wie ein Lebewesen ohne Wärme. Die Klarheit der Sonne, die nach alter Lehre in ihrer Substanz liege und unergründlich sei, entspreche der Reinheit und Lauterkeit der Dame, deren Wesen ebenso unergründlich strahle. | |||
===D Schluss=== | |||
Der Sprecher lobt den, der der Dame ewig und aufrichtig dient, und verflucht den, der ihn von diesem Dienst abbringen will. Er bekräftigt seine Hingabe mit typischen Formeln des Minnedienstes: Dienst um des Grußes willen, Dienst bis zum Tod, völlige Unterwerfung. Seit er die Dame zum ersten Mal gesehen habe, liebe er sie — und diese Liebe bringe ihm zugleich Leid. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 432-434) | |||
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Aktuelle Version vom 5. Februar 2026, 21:33 Uhr
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Lob der Jungfrau Maria (B276) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1433 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 357r-362v Karlsruhe, Badische Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 244vb-246va |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 432-434 |
Inhalt
A Prolog
Der Sprecher möchte eine kunstvolle „Erfindung“ gestalten, in der er zeigt, welche Freude in reinen Frauen liegt und welchen Reichtum ihre Liebe schenkt. Er betont den Wert mühevollen Frauendienstes, erklärt aber zugleich, als junger, unerfahrener Mann verstehe er davon eigentlich nichts. Dennoch will er ein Gedicht „aus Gold schmelzen“, mit klarem Verstand ausstatten und dunkle Bedeutungen ordnen. Obwohl ihm auch dafür die Kunst fehle, müsse er es tun, weil Wille und Auftrag einer Dame ihn dazu verpflichten. Er habe sich selbst in diese Lage gebracht, denn er wolle diese Dame über alle anderen Frauen loben und hoffe auf ihre Gnade. Sie solle ihm helfen, die himmlische Jungfrau um Unterstützung anzurufen. Doch sobald er an seine Dame denke, verliere er jede Kunstfertigkeit; sein Lob sei wie weiches Blei gegen einen Diamanten und wie der Ruf des Kuckucks gegen den Gesang der Nachtigall.
B Frauenlob
Der Sprecher preist die Schönheit und Tugend der Dame, die alle anderen Frauen überrage und Quelle aller Freude sei. Besonders den Gebildeten empfiehlt er sie als Trostquelle, sofern sie beständig und heimlich lieben. Er kündigt an, sie mit der Sonne zu vergleichen, hebt ihre edle Herkunft und ihre makellose Schöpfung durch Gott hervor und preist den glücklich, der durch Dienst ihre Liebe gewinnen kann.
C Vergleich der Dame mit der Sonne
Der Sprecher entfaltet einen umfassenden Sonnenvergleich. Er referiert zunächst die gelehrte Beschreibung der Sonne als Lebensspenderin, heiß und klar. Diese drei Eigenschaften überträgt er einzeln auf die Dame. Ihre Schönheit beschreibt er nach dem klassischen Schema von Kopf bis Fuß: Haare, Augen, Brauen, Kehle, Mund, Wangen, Stimme, Körper, Arme, Hände und Finger. Er lobt ihre Verschwiegenheit und Bildung, die im ganzen Land ihresgleichen suche. Die Hitze der Sonne findet ihre Entsprechung in der Kraft ihrer Liebe, die Untreue in Treue verwandelt und dem Liebenden Glück und Beständigkeit schenkt. Ohne diese Liebe falle man dem Unglück anheim wie ein Lebewesen ohne Wärme. Die Klarheit der Sonne, die nach alter Lehre in ihrer Substanz liege und unergründlich sei, entspreche der Reinheit und Lauterkeit der Dame, deren Wesen ebenso unergründlich strahle.
D Schluss
Der Sprecher lobt den, der der Dame ewig und aufrichtig dient, und verflucht den, der ihn von diesem Dienst abbringen will. Er bekräftigt seine Hingabe mit typischen Formeln des Minnedienstes: Dienst um des Grußes willen, Dienst bis zum Tod, völlige Unterwerfung. Seit er die Dame zum ersten Mal gesehen habe, liebe er sie — und diese Liebe bringe ihm zugleich Leid.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 432-434)