Klage einer jungen Frau (B353): Unterschied zwischen den Versionen

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=== Klage einer jungen Frau (1–203) ===
Der Sprecher belauscht ein Gespräch zwischen einer jungen Frau und mehreren alten Frauen. Die Junge beklagt, dass sie mit einem Sechzigjährigen verheiratet wurde, der körperlich gebrechlich sei, nachts nur stöhne, nach Wein rieche und sie mit seinem Bart kratze, während er ihr keinerlei Befriedigung verschaffe. Sie wünscht, ihre Mutter hätte sie lieber ertränkt, als sie in eine solche Ehe zu geben. Die Alten raten zur Geduld und trösten sie mit der Aussicht, bald durch den Tod des Mannes frei zu werden und sich dann wieder einem jungen Partner zuwenden zu können. Bis dahin solle sie schweigen, um ihre Ehre und ihren Wohlstand nicht zu gefährden, denn schöne Kleidung, Schmuck und gutes Essen seien an diese Ehe gebunden. Die Junge gesteht, dass sie materiell im Überfluss lebt, ihre körperlichen Bedürfnisse jedoch unerfüllt bleiben. Lieber würde sie einfach leben und dafür einen jungen Liebhaber haben, der sie mit Leidenschaft erfülle. Sie verflucht die Stunde ihrer Heirat. Die Alten mahnen erneut zur Verschwiegenheit und geben praktische Ratschläge, wie sie den alten Mann freundlich behandeln und zu einem frommen Leben anhalten solle. Wenn ihr Verlangen dennoch bleibe, könne sie sich einem Geistlichen anvertrauen, der sie wieder belebe und ihr neue Frische verleihe; sie selbst hätten ihre Männer ebenso betrogen. Gott habe die Ehe für gleichaltrige Partner geschaffen, und wenn ihre Verwandten sie getäuscht hätten, könne es keine Sünde sein, sich heimlich einem Gleichaltrigen zuzuwenden. Nur dürfe niemand etwas bemerken. Die Junge bedankt sich für die Ratschläge und verflucht erneut ihre Eltern. Sie wünscht, man möge jene Väter ertränken, die ihre Töchter aus Gewinnsucht verkaufen, und fordert, nur gleichaltrige Paare zu verheiraten. Es sei teuflisch, einem alten Mann Macht über den Körper einer jungen Frau zu geben. Sie kündigt an, sich einen jungen Mann zu suchen, der ihr Verlangen stillen könne.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 552f.)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]

Version vom 13. Februar 2026, 20:13 Uhr

Klage einer jungen Frau (B353)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1464
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 270, 106v-107r
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 379, 68v-72v
Salzburg, Stiftsbibliothek St. Peter: b IV 3, 74r-79r
Weimar, Anna Amalia Bibliothek: Cod. Oct. 145, 186v-194r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Klage einer jungen Frau; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 552f.

Inhalt

Klage einer jungen Frau (1–203)

Der Sprecher belauscht ein Gespräch zwischen einer jungen Frau und mehreren alten Frauen. Die Junge beklagt, dass sie mit einem Sechzigjährigen verheiratet wurde, der körperlich gebrechlich sei, nachts nur stöhne, nach Wein rieche und sie mit seinem Bart kratze, während er ihr keinerlei Befriedigung verschaffe. Sie wünscht, ihre Mutter hätte sie lieber ertränkt, als sie in eine solche Ehe zu geben. Die Alten raten zur Geduld und trösten sie mit der Aussicht, bald durch den Tod des Mannes frei zu werden und sich dann wieder einem jungen Partner zuwenden zu können. Bis dahin solle sie schweigen, um ihre Ehre und ihren Wohlstand nicht zu gefährden, denn schöne Kleidung, Schmuck und gutes Essen seien an diese Ehe gebunden. Die Junge gesteht, dass sie materiell im Überfluss lebt, ihre körperlichen Bedürfnisse jedoch unerfüllt bleiben. Lieber würde sie einfach leben und dafür einen jungen Liebhaber haben, der sie mit Leidenschaft erfülle. Sie verflucht die Stunde ihrer Heirat. Die Alten mahnen erneut zur Verschwiegenheit und geben praktische Ratschläge, wie sie den alten Mann freundlich behandeln und zu einem frommen Leben anhalten solle. Wenn ihr Verlangen dennoch bleibe, könne sie sich einem Geistlichen anvertrauen, der sie wieder belebe und ihr neue Frische verleihe; sie selbst hätten ihre Männer ebenso betrogen. Gott habe die Ehe für gleichaltrige Partner geschaffen, und wenn ihre Verwandten sie getäuscht hätten, könne es keine Sünde sein, sich heimlich einem Gleichaltrigen zuzuwenden. Nur dürfe niemand etwas bemerken. Die Junge bedankt sich für die Ratschläge und verflucht erneut ihre Eltern. Sie wünscht, man möge jene Väter ertränken, die ihre Töchter aus Gewinnsucht verkaufen, und fordert, nur gleichaltrige Paare zu verheiraten. Es sei teuflisch, einem alten Mann Macht über den Körper einer jungen Frau zu geben. Sie kündigt an, sich einen jungen Mann zu suchen, der ihr Verlangen stillen könne.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 552f.)