Des Kranichhalses neun Grade (B389): Unterschied zwischen den Versionen

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Der Sprecher schildert einen Traum: Auf der Jagd gelangt er in einen prachtvollen Wald und entdeckt vor einer edel geschmückten Burg eine Jungfrau unter einem Rosenstrauch, die über die Unmöglichkeit klagt, einen treuen Mann zu finden. Er tritt zu ihr, gesteht, ihre Worte gehört zu haben, und bietet an, sie zu lehren, wie man einen solchen Mann erkennt.
Er erklärt, ein beständiger Mann lasse sich am „Kranichhals“ mit neun Wirbeln erkennen, die neun Stufen tugendhaften Verhaltens entsprechen. Erstens solle ein Mann sanft, verschwiegen und beständig sein. Zweitens müsse er Geheimnisse bewahren und dürfe nichts weitererzählen. Drittens solle er einer Dame, die ihm ihr Herz öffnet, exklusiv dienen. Viertens dürfe er durch Leid nicht verzagen. Fünftens solle er stets froh und aufrichtig dienen. Sechstens müsse er im Frauendienst nach ritterlicher Bewährung streben. Siebtens dürfe er nicht nur scheinbar treu sein, sondern müsse anderen Damen fernbleiben. Achtens solle er in der Öffentlichkeit jede Andeutung eines vertraulichen Verhältnisses vermeiden. Neuntens müsse er in Gesellschaft maßvoll auftreten und der Geliebten ohne Aufdringlichkeit dienen. Wer diese Regeln nicht erfülle, könne nicht als treu gelten; wer sie beherzige, erkenne den rechten Mann.
Zum Abschied schenkt die Dame ihm einen Diamantring. Beim Erwachen trägt er ihn noch immer, sucht die Dame vergeblich im Wald und erfährt schließlich, er müsse zuerst den „Kranichhals bauen“. Die Lehre lautet: Wer sich um diese Tugenden bemüht und in beständiger Minne verharrt, ist der Jungfrau würdig und kann tugendhaft alt werden.


(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 612f.)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
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[[Kategorie:Quelle Lehrrede]]
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Aktuelle Version vom 14. Februar 2026, 21:45 Uhr

Des Kranichhalses neun Grade (B389)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1439
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Danzig, Polnische Akademie der Wissenschaften: Ms. 2418, 23r-24v
Gotha, Forschungsbibliothek: Cod. chart. A 985, 8ra-9va
Hamburg, Stadt- und Universitätsbibliothek: Scrin. 102c, 27v-29v
Stockholm, Königliche Bibliothek: Vu 82, S. 1-7
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2940*, 50r-50v
Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek: Cod. Helm. 1203, 37v-41r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Des Kranichhalses neun Grade; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 611-613

Inhalt

Der Sprecher schildert einen Traum: Auf der Jagd gelangt er in einen prachtvollen Wald und entdeckt vor einer edel geschmückten Burg eine Jungfrau unter einem Rosenstrauch, die über die Unmöglichkeit klagt, einen treuen Mann zu finden. Er tritt zu ihr, gesteht, ihre Worte gehört zu haben, und bietet an, sie zu lehren, wie man einen solchen Mann erkennt. Er erklärt, ein beständiger Mann lasse sich am „Kranichhals“ mit neun Wirbeln erkennen, die neun Stufen tugendhaften Verhaltens entsprechen. Erstens solle ein Mann sanft, verschwiegen und beständig sein. Zweitens müsse er Geheimnisse bewahren und dürfe nichts weitererzählen. Drittens solle er einer Dame, die ihm ihr Herz öffnet, exklusiv dienen. Viertens dürfe er durch Leid nicht verzagen. Fünftens solle er stets froh und aufrichtig dienen. Sechstens müsse er im Frauendienst nach ritterlicher Bewährung streben. Siebtens dürfe er nicht nur scheinbar treu sein, sondern müsse anderen Damen fernbleiben. Achtens solle er in der Öffentlichkeit jede Andeutung eines vertraulichen Verhältnisses vermeiden. Neuntens müsse er in Gesellschaft maßvoll auftreten und der Geliebten ohne Aufdringlichkeit dienen. Wer diese Regeln nicht erfülle, könne nicht als treu gelten; wer sie beherzige, erkenne den rechten Mann. Zum Abschied schenkt die Dame ihm einen Diamantring. Beim Erwachen trägt er ihn noch immer, sucht die Dame vergeblich im Wald und erfährt schließlich, er müsse zuerst den „Kranichhals bauen“. Die Lehre lautet: Wer sich um diese Tugenden bemüht und in beständiger Minne verharrt, ist der Jungfrau würdig und kann tugendhaft alt werden.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 612f.)