Der Thron der Ehre (B394): Unterschied zwischen den Versionen
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=== A Prolog (Str. 1–3) === | |||
Der Sprecher stellt sich als Meister der Künste vor und kündigt eine lehrhafte Rede an seine Geliebte an. Da ihre „Beschaffenheit“ am besten zum Zimmerhandwerk passe, wolle er ihr diese Kunst beibringen. Musik, Astrologie und Kampfkunst seien für sie ungeeignet. Er preist ihre äußere und innere Vollkommenheit und kündigt an, für sie den Ehrenthron zu errichten. | |||
=== B Verhältnis zwischen Sprecher, Geliebter und Thron (Str. 4–10) === | |||
Der Ehrenthron besteht aus Sittsamkeit und Ehre; seine Zinnen sind Lust, Mäßigung, Schamgefühl und gutes Benehmen. Er sei so kunstvoll, dass man ihn nicht wieder errichten könne, falls er zerbräche. Die Geliebte müsse ein solides Fundament schaffen, um den Thron vor Schande zu bewahren. Der Sprecher kritisiert, dass ihre Herkunft auf „rohen Stämmen“ ruhe, wie es der allgemeinen Unordnung der Welt entspreche. Der Thron solle jedoch auf edlen Pfeilern stehen. Wenn sie die Kunst des Zimmerhandwerks meistere, könne sie gutes Holz von schlechtem unterscheiden und ein Fundament aus Beständigkeit und Treue legen. | |||
=== C Allegorische Lehre vom Zimmerhandwerk (Str. 11–56) === | |||
Der Sprecher gliedert seine Lehre in drei Schritte: Wahl des Holzes, Bearbeitung und Pflege des Pfeilers. | |||
#Die Frau solle das Holz sorgfältig prüfen: Es müsse würdig, recht, bequem und beständig sein. Beuge es sich beim ersten Schlag, tauge es nicht. Äußere Schönheit sei kein verlässliches Zeichen; Medea und Eva hätten sich täuschen lassen. Frau Merke solle ihr helfen, die richtige Wahl zu treffen. | |||
#Die Bearbeitung des Holzes entspricht der Erziehung des Mannes. Sie solle geduldig arbeiten, bis er sich ihr zuneige, ohne den Eindruck zu erwecken, leicht zu gewinnen zu sein. Mit Liebenswürdigkeit solle sie seine Fehler glätten und ihn zu ehrenhaftem Verhalten führen. Werkzeuge wie „bar, Hammer und Keile“ stehen für Rechtmäßigkeit, Demut, Keuschheit und Freigebigkeit. Balken symbolisieren Tapferkeit, Weisheit und Vorsicht; weitere Tugenden schützen den Thron. Beständigkeit sei die Grundbedingung der Ehre. Die Geliebte solle den Mann verfeinern, ohne Grobheit zu dulden, und den Thron mit Trost, Liebe und keuschen Blicken schmücken. | |||
#Die Pflege des Pfeilers bedeutet die Erhaltung der Liebe. Sie solle den Minnelohn nicht zu früh gewähren, aber auch nicht verweigern. Gegenseitige Liebe müsse möglich sein; der Mann solle zugleich Herr und Knecht sein dürfen, ohne ihre Ehre zu gefährden. Exempel wie Artus, Alexander, Absalon und Aietes illustrieren die Vorzüge des Thrones. Maß sei entscheidend: Übermaß zerstöre Freude. Trennung könne Liebe stärken, wie bei Wilhelm und Amelie. Doch solle sie den Mann nicht zu lange warten lassen und ihn wie einen Falken gelegentlich „locken“. Sie solle ihn zu ritterlichen Taten anregen, aber nichts Unmögliches verlangen. Treuen Dienst solle sie belohnen, kleine Fehler vergeben und ihn so „polieren“, dass er nichts begehre, was ihrer Ehre schade. | |||
=== D Warnung vor den Klaffern (Str. 57–62) === | |||
Der Sprecher warnt vor den feindseligen „Klaffern“, die alles in Verruf bringen. Man könne es nie allen recht machen. Dies illustriert er mit der Geschichte vom Vater, Sohn und Esel: Egal wie sie handeln, die Leute kritisieren sie. Die Geliebte solle daher auf ihr Ziel achten und das Gerede ignorieren. | |||
=== E Epilog (Str. 63–65) === | |||
Der Sprecher reflektiert seine Rolle als Dichter: Er könne es den Leuten nicht recht machen und finde wegen seiner Lebensweise keine Frau. Die Liebe habe ihn zum lehrhaften Dichten gebracht und seinen gesellschaftlichen Wert erhöht. Das Gedicht sei eine Neujahrsgabe an die Geliebte, schlicht, offen und in guter Absicht verfasst. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 621-625) | |||
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Aktuelle Version vom 14. Februar 2026, 21:54 Uhr
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Der Thron der Ehre (B394) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung 1478 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 481v-490r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Der Thron der Ehre; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 621-625 |
Inhalt
A Prolog (Str. 1–3)
Der Sprecher stellt sich als Meister der Künste vor und kündigt eine lehrhafte Rede an seine Geliebte an. Da ihre „Beschaffenheit“ am besten zum Zimmerhandwerk passe, wolle er ihr diese Kunst beibringen. Musik, Astrologie und Kampfkunst seien für sie ungeeignet. Er preist ihre äußere und innere Vollkommenheit und kündigt an, für sie den Ehrenthron zu errichten.
B Verhältnis zwischen Sprecher, Geliebter und Thron (Str. 4–10)
Der Ehrenthron besteht aus Sittsamkeit und Ehre; seine Zinnen sind Lust, Mäßigung, Schamgefühl und gutes Benehmen. Er sei so kunstvoll, dass man ihn nicht wieder errichten könne, falls er zerbräche. Die Geliebte müsse ein solides Fundament schaffen, um den Thron vor Schande zu bewahren. Der Sprecher kritisiert, dass ihre Herkunft auf „rohen Stämmen“ ruhe, wie es der allgemeinen Unordnung der Welt entspreche. Der Thron solle jedoch auf edlen Pfeilern stehen. Wenn sie die Kunst des Zimmerhandwerks meistere, könne sie gutes Holz von schlechtem unterscheiden und ein Fundament aus Beständigkeit und Treue legen.
C Allegorische Lehre vom Zimmerhandwerk (Str. 11–56)
Der Sprecher gliedert seine Lehre in drei Schritte: Wahl des Holzes, Bearbeitung und Pflege des Pfeilers.
- Die Frau solle das Holz sorgfältig prüfen: Es müsse würdig, recht, bequem und beständig sein. Beuge es sich beim ersten Schlag, tauge es nicht. Äußere Schönheit sei kein verlässliches Zeichen; Medea und Eva hätten sich täuschen lassen. Frau Merke solle ihr helfen, die richtige Wahl zu treffen.
- Die Bearbeitung des Holzes entspricht der Erziehung des Mannes. Sie solle geduldig arbeiten, bis er sich ihr zuneige, ohne den Eindruck zu erwecken, leicht zu gewinnen zu sein. Mit Liebenswürdigkeit solle sie seine Fehler glätten und ihn zu ehrenhaftem Verhalten führen. Werkzeuge wie „bar, Hammer und Keile“ stehen für Rechtmäßigkeit, Demut, Keuschheit und Freigebigkeit. Balken symbolisieren Tapferkeit, Weisheit und Vorsicht; weitere Tugenden schützen den Thron. Beständigkeit sei die Grundbedingung der Ehre. Die Geliebte solle den Mann verfeinern, ohne Grobheit zu dulden, und den Thron mit Trost, Liebe und keuschen Blicken schmücken.
- Die Pflege des Pfeilers bedeutet die Erhaltung der Liebe. Sie solle den Minnelohn nicht zu früh gewähren, aber auch nicht verweigern. Gegenseitige Liebe müsse möglich sein; der Mann solle zugleich Herr und Knecht sein dürfen, ohne ihre Ehre zu gefährden. Exempel wie Artus, Alexander, Absalon und Aietes illustrieren die Vorzüge des Thrones. Maß sei entscheidend: Übermaß zerstöre Freude. Trennung könne Liebe stärken, wie bei Wilhelm und Amelie. Doch solle sie den Mann nicht zu lange warten lassen und ihn wie einen Falken gelegentlich „locken“. Sie solle ihn zu ritterlichen Taten anregen, aber nichts Unmögliches verlangen. Treuen Dienst solle sie belohnen, kleine Fehler vergeben und ihn so „polieren“, dass er nichts begehre, was ihrer Ehre schade.
D Warnung vor den Klaffern (Str. 57–62)
Der Sprecher warnt vor den feindseligen „Klaffern“, die alles in Verruf bringen. Man könne es nie allen recht machen. Dies illustriert er mit der Geschichte vom Vater, Sohn und Esel: Egal wie sie handeln, die Leute kritisieren sie. Die Geliebte solle daher auf ihr Ziel achten und das Gerede ignorieren.
E Epilog (Str. 63–65)
Der Sprecher reflektiert seine Rolle als Dichter: Er könne es den Leuten nicht recht machen und finde wegen seiner Lebensweise keine Frau. Die Liebe habe ihn zum lehrhaften Dichten gebracht und seinen gesellschaftlichen Wert erhöht. Das Gedicht sei eine Neujahrsgabe an die Geliebte, schlicht, offen und in guter Absicht verfasst.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 621-625)