Der Widerteil (Peter Suchenwirt) (B403): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
=== A Prolog (1–44) ===


Der Sprecher beginnt mit einem feierlichen Segenswunsch für alle Frauen und erklärt, sein tägliches Gebet gelte ihrem Schutz. Das »Büchlein« habe er im Auftrag seiner Geliebten verfasst, der er jeden Wunsch erfüllen wolle. Sie allein liebe er beständig, mehr als alle anderen und mehr als sein eigenes Leben; ihre Jugend, Güte und Tugend erfüllten ihn mit Freude. Mit einer Audite‑Formel kündigt er den Vortrag an und setzt den Rahmen: Eine schöne Dame sitzt neben einem hochgestimmten Ritter, und beide führen ein langes Gespräch.
=== B Streitgespräch mit integrierter Minnelehre (45–1820) ===
Die Dame fragt, warum die Männer so unfroh geworden seien, obwohl es ihnen an nichts fehle. Der Ritter stimmt zu, erklärt aber, die Männer litten, weil ihnen der Gruß der Frauen verweigert werde. Die Dame entgegnet, die Männer seien selbst schuld, da sie jede Freundlichkeit missdeuteten und sich damit brüsteten. Der Ritter wirft den Frauen vor, sich zu verhüllen, unzugänglich zu sein und nur noch in der Kirche zu sitzen. Die Dame verteidigt das Gebet und kritisiert die Männer, die ihren Frauen keine Freude gönnten, jagen gingen, tranken und prahlten. Der Ritter beschuldigt die Frauen der Käuflichkeit; die Dame kontert mit dem Vorwurf »unreiner« Männer. Der Ritter betont, es gebe auch gute Männer, und fordert die Frauen auf, wieder fröhlich und schön gekleidet zu sein.
Die Dame bittet um Rat für fünf Gruppen von Frauen: Verheiratete, Witwen, Mädchen, Ledige und »vriundinne«. Der Ritter rät verheirateten Frauen zu Treue, empfiehlt aber Frauen mit schlechten oder »unreinen« Männern, sich einen Liebhaber zu wählen. Mädchen sollen tugendhaft leben und bei der Partnerwahl auf ihre Familie hören. Witwen und Ledige sollen sich besonnen neu verheiraten. »Vriundinne« sollen charmant sein und darauf achten, dass ihnen aus einer Beziehung etwas Bleibendes erwachse; das Leitwort sei »lôsen«.
Anschließend fragt die Dame, wie man einen guten Mann erkenne. Der Ritter beschreibt ihn als ehrenhaft, maßvoll, wahrhaftig, den Damen ergeben und auf ihre Ehre bedacht. Die Dame zeigt sich dankbar und verspricht ihre Ergebenheit, wenn er ihr solche Männer zeige. Der Ritter antwortet mit einer weiteren Lehre über gute und schlechte Männer und betont die Bewahrung der Liebe im Herzen.
=== C Entscheidung des Streites durch den Ich‑Sprecher (1821–2002) ===
Der Ritter bemerkt den Sprecher, begrüßt ihn, und die Dame spricht ihn als Ulrich von Liechtenstein an. Sie berichtet, beide hätten erkannt, dass Männer und Frauen Schuld an der Misere tragen, und bittet um ein Urteil. Der Sprecher hört sich alle Argumente an und entscheidet: Da die Frauen den Männern untertan seien, hänge ihre Freude von der Freude der Männer ab; seien die Frauen traurig, trügen die Männer die Verantwortung. Der Ritter widerspricht, doch der Sprecher preist die Frauen als höchstes Gut und mahnt, den Streit zu beenden. Der Ritter akzeptiert das Urteil.
=== D Epilog (2002–2134) ===
Der Sprecher deutet die Versöhnung: Der Ritter habe der Dame recht gegeben, und das sei angemessen, denn ein Mann solle sich nicht mit Frauen streiten, sondern ihren Willen erfüllen. Er selbst habe trotz großer Sehnsucht stets so gehandelt und wolle diesen Schmerz ewig tragen. In einem Gebet empfiehlt er seine Geliebte Gott und hofft, sie werde seine aufrichtige Liebe erkennen. Das Büchlein, das er im Dienst seiner Herrin gedichtet habe, solle »der vrouwen buoch« heißen und den Frauen zeigen, welche Männer ihnen untertan seien. Wer sich solchen Männern zuwende, handle gut.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 652f.)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Streitgedicht]]
[[Kategorie:Quelle Streitgedicht]]

Version vom 15. Februar 2026, 13:50 Uhr

Der Widerteil (B403)

AutorIn Peter Suchenwirt
Entstehungszeit Überlieferung ab 1400
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 262r-268r
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 13045, 182-193
London, British Library: Add. 24946, 148r-151v
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2947, 73v-77v
Karlsruhe, Badische Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104: 187ra-189rb
Stuttgart, Landesbibliothek: Poet. et phil. 4° 69, 278r-284r
Weimar, Anna Amalia-Bibliothek: Cod. Quart 566, 4v-9r
Freiburg, Universitätsbibliothek: 362, 2ra-4rb
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 270, 107v-114r
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 379, 72v-79r
Salzburg, Stiftsbibliothek St. Peter: b IV 3: 79r-83v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 651-653

Inhalt

A Prolog (1–44)

Der Sprecher beginnt mit einem feierlichen Segenswunsch für alle Frauen und erklärt, sein tägliches Gebet gelte ihrem Schutz. Das »Büchlein« habe er im Auftrag seiner Geliebten verfasst, der er jeden Wunsch erfüllen wolle. Sie allein liebe er beständig, mehr als alle anderen und mehr als sein eigenes Leben; ihre Jugend, Güte und Tugend erfüllten ihn mit Freude. Mit einer Audite‑Formel kündigt er den Vortrag an und setzt den Rahmen: Eine schöne Dame sitzt neben einem hochgestimmten Ritter, und beide führen ein langes Gespräch.

B Streitgespräch mit integrierter Minnelehre (45–1820)

Die Dame fragt, warum die Männer so unfroh geworden seien, obwohl es ihnen an nichts fehle. Der Ritter stimmt zu, erklärt aber, die Männer litten, weil ihnen der Gruß der Frauen verweigert werde. Die Dame entgegnet, die Männer seien selbst schuld, da sie jede Freundlichkeit missdeuteten und sich damit brüsteten. Der Ritter wirft den Frauen vor, sich zu verhüllen, unzugänglich zu sein und nur noch in der Kirche zu sitzen. Die Dame verteidigt das Gebet und kritisiert die Männer, die ihren Frauen keine Freude gönnten, jagen gingen, tranken und prahlten. Der Ritter beschuldigt die Frauen der Käuflichkeit; die Dame kontert mit dem Vorwurf »unreiner« Männer. Der Ritter betont, es gebe auch gute Männer, und fordert die Frauen auf, wieder fröhlich und schön gekleidet zu sein. Die Dame bittet um Rat für fünf Gruppen von Frauen: Verheiratete, Witwen, Mädchen, Ledige und »vriundinne«. Der Ritter rät verheirateten Frauen zu Treue, empfiehlt aber Frauen mit schlechten oder »unreinen« Männern, sich einen Liebhaber zu wählen. Mädchen sollen tugendhaft leben und bei der Partnerwahl auf ihre Familie hören. Witwen und Ledige sollen sich besonnen neu verheiraten. »Vriundinne« sollen charmant sein und darauf achten, dass ihnen aus einer Beziehung etwas Bleibendes erwachse; das Leitwort sei »lôsen«. Anschließend fragt die Dame, wie man einen guten Mann erkenne. Der Ritter beschreibt ihn als ehrenhaft, maßvoll, wahrhaftig, den Damen ergeben und auf ihre Ehre bedacht. Die Dame zeigt sich dankbar und verspricht ihre Ergebenheit, wenn er ihr solche Männer zeige. Der Ritter antwortet mit einer weiteren Lehre über gute und schlechte Männer und betont die Bewahrung der Liebe im Herzen.

C Entscheidung des Streites durch den Ich‑Sprecher (1821–2002)

Der Ritter bemerkt den Sprecher, begrüßt ihn, und die Dame spricht ihn als Ulrich von Liechtenstein an. Sie berichtet, beide hätten erkannt, dass Männer und Frauen Schuld an der Misere tragen, und bittet um ein Urteil. Der Sprecher hört sich alle Argumente an und entscheidet: Da die Frauen den Männern untertan seien, hänge ihre Freude von der Freude der Männer ab; seien die Frauen traurig, trügen die Männer die Verantwortung. Der Ritter widerspricht, doch der Sprecher preist die Frauen als höchstes Gut und mahnt, den Streit zu beenden. Der Ritter akzeptiert das Urteil.

D Epilog (2002–2134)

Der Sprecher deutet die Versöhnung: Der Ritter habe der Dame recht gegeben, und das sei angemessen, denn ein Mann solle sich nicht mit Frauen streiten, sondern ihren Willen erfüllen. Er selbst habe trotz großer Sehnsucht stets so gehandelt und wolle diesen Schmerz ewig tragen. In einem Gebet empfiehlt er seine Geliebte Gott und hofft, sie werde seine aufrichtige Liebe erkennen. Das Büchlein, das er im Dienst seiner Herrin gedichtet habe, solle »der vrouwen buoch« heißen und den Frauen zeigen, welche Männer ihnen untertan seien. Wer sich solchen Männern zuwende, handle gut.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 652f.)