Wahre und falsche Liebe (B404): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
=== A Exemplarische Minneszene (1–35) ===


Der Sprecher eröffnet mit der Warnung, dass man für den täglichen Umgang mit der Liebe Klugheit brauche, da viele Frauen den »alenfantz« nutzten, um Männern Geld zu entlocken. Er schildert eine typische Szene: Eine Frau bezichtigt ihren Liebhaber listig der Untreue, woraufhin er mit Geld oder Geschenken um Versöhnung bittet. Sie behauptet anschließend, man habe sich über ihn beklagt, und er versichert seine Treue und verspricht weitere Gaben. Der Sprecher schließt, dass eine »reine« Frau sich nicht so verhalte.
=== B Spaziergangseinleitung (36–55) ===
Passend zum Thema berichtet der Sprecher von einem nächtlichen Spaziergang, bei dem er aus Übermut unterwegs ist und – in Neidhartmanier – von groben Burschen mit Stöcken und Steinen angegriffen wird. Auf der Flucht sucht er Schutz unter einem Vordach an einer Stubenwand und wird dort Zeuge eines Streitgesprächs zweier Frauen.
=== C Streitgespräch (56–279) ===
Die listige Frau fragt die beständige, ob sie einen Geliebten habe. Diese beschreibt ihren Liebhaber als treu, klug und angesehen. Die Listige hält sie dennoch für unglücklich, da ein Mann ohne Geschenke wertlos sei; Worte allein zählten nichts. Sie rät ihr, nur einem Mann hold zu sein, solange er gebe, und ihn bei ausbleibenden Gaben der Unbeständigkeit zu bezichtigen, damit er sich durch Geschenke wieder bemühe.
Die Beständige beklagt diese Haltung und verweist auf frühere Zeiten, in denen Treue mit Treue vergolten wurde. Die Listige verteidigt ihr Verhalten ausführlich: Liebe könne ohne Gaben nicht bestehen; Treue sei wertlos, wenn man verlassen werde; Geschenke blieben, Gefühle nicht. Sie schildert, wie sie ihren Liebhaber durch Tränen und Vorwürfe gefügig mache und ihn fortschicke, sobald er kein Geld mehr habe. Ihr Fazit lautet, dass ohne Pfenning keine Gesellschaft bestehe.
Die Beständige verflucht sie heftig und wirft ihr vor, das Ansehen beständiger Frauen zu ruinieren. Wegen solcher Frauen misstrauten Männer ihren Geliebten und rächten sich an den Falschen. Eine ehrlose Liebe sei wertlos. Die Listige weist die Vorwürfe ab und freut sich, dass ihr einfältiger Liebhaber naht, hoffend, dass er Geld bei sich habe. Die Beständige resigniert und erklärt, nur der Tod werde der Listigen ihre Bosheit nehmen; wer alten Hunden predige, verliere nur Zeit. Sie verlässt die Stube, während die Listige ihr noch Schlechtes nachruft.
=== D Erzählschluss (280–303) ===
Der Sprecher würde der Listigen am liebsten die Haare ausreißen, muss aber fort, da der Tag anbricht. Auf dem Rückweg trifft er gute Gefährten, denen er die Geschichte erzählt. Sie bestätigen seine Ansicht, dass es unklug sei, Frauen zu viel zu geben, und dass Wohltaten gegenüber beständigen Frauen nie zu bereuen seien.
=== E Redeschluss (304–314) ===
Zum Schluss gibt sich der Sprecher als Liebender zu erkennen. Er wolle seiner schönen und beständigen Dame dienen; wahre Beständigkeit sei der beste Trost. Er endet mit einem Segenswunsch an seine Geliebte.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 654f.)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Streitgedicht]]
[[Kategorie:Quelle Streitgedicht]]

Aktuelle Version vom 15. Februar 2026, 13:57 Uhr

Wahre und falsche Liebe (B404)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1470/71
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 167v-174r
Prag, Knihovna Národniho muzea: Cod. X A 12, 153r-158r
Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 297r-304v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Wahre und falsche Liebe; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 653-655

Inhalt

A Exemplarische Minneszene (1–35)

Der Sprecher eröffnet mit der Warnung, dass man für den täglichen Umgang mit der Liebe Klugheit brauche, da viele Frauen den »alenfantz« nutzten, um Männern Geld zu entlocken. Er schildert eine typische Szene: Eine Frau bezichtigt ihren Liebhaber listig der Untreue, woraufhin er mit Geld oder Geschenken um Versöhnung bittet. Sie behauptet anschließend, man habe sich über ihn beklagt, und er versichert seine Treue und verspricht weitere Gaben. Der Sprecher schließt, dass eine »reine« Frau sich nicht so verhalte.

B Spaziergangseinleitung (36–55)

Passend zum Thema berichtet der Sprecher von einem nächtlichen Spaziergang, bei dem er aus Übermut unterwegs ist und – in Neidhartmanier – von groben Burschen mit Stöcken und Steinen angegriffen wird. Auf der Flucht sucht er Schutz unter einem Vordach an einer Stubenwand und wird dort Zeuge eines Streitgesprächs zweier Frauen.

C Streitgespräch (56–279)

Die listige Frau fragt die beständige, ob sie einen Geliebten habe. Diese beschreibt ihren Liebhaber als treu, klug und angesehen. Die Listige hält sie dennoch für unglücklich, da ein Mann ohne Geschenke wertlos sei; Worte allein zählten nichts. Sie rät ihr, nur einem Mann hold zu sein, solange er gebe, und ihn bei ausbleibenden Gaben der Unbeständigkeit zu bezichtigen, damit er sich durch Geschenke wieder bemühe. Die Beständige beklagt diese Haltung und verweist auf frühere Zeiten, in denen Treue mit Treue vergolten wurde. Die Listige verteidigt ihr Verhalten ausführlich: Liebe könne ohne Gaben nicht bestehen; Treue sei wertlos, wenn man verlassen werde; Geschenke blieben, Gefühle nicht. Sie schildert, wie sie ihren Liebhaber durch Tränen und Vorwürfe gefügig mache und ihn fortschicke, sobald er kein Geld mehr habe. Ihr Fazit lautet, dass ohne Pfenning keine Gesellschaft bestehe. Die Beständige verflucht sie heftig und wirft ihr vor, das Ansehen beständiger Frauen zu ruinieren. Wegen solcher Frauen misstrauten Männer ihren Geliebten und rächten sich an den Falschen. Eine ehrlose Liebe sei wertlos. Die Listige weist die Vorwürfe ab und freut sich, dass ihr einfältiger Liebhaber naht, hoffend, dass er Geld bei sich habe. Die Beständige resigniert und erklärt, nur der Tod werde der Listigen ihre Bosheit nehmen; wer alten Hunden predige, verliere nur Zeit. Sie verlässt die Stube, während die Listige ihr noch Schlechtes nachruft.

D Erzählschluss (280–303)

Der Sprecher würde der Listigen am liebsten die Haare ausreißen, muss aber fort, da der Tag anbricht. Auf dem Rückweg trifft er gute Gefährten, denen er die Geschichte erzählt. Sie bestätigen seine Ansicht, dass es unklug sei, Frauen zu viel zu geben, und dass Wohltaten gegenüber beständigen Frauen nie zu bereuen seien.

E Redeschluss (304–314)

Zum Schluss gibt sich der Sprecher als Liebender zu erkennen. Er wolle seiner schönen und beständigen Dame dienen; wahre Beständigkeit sei der beste Trost. Er endet mit einem Segenswunsch an seine Geliebte.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 654f.)