Der Minnekampf (B409): Unterschied zwischen den Versionen
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=== A Prolog (1–4) === | |||
Der Sprecher erklärt, seine Geliebte habe ihn gebeten, »vom neuen Leben« zu dichten. Er nimmt den Auftrag an und beginnt seine Arbeit. | |||
=== B Traum (3–188) === | |||
Der Sprecher fällt in einen Traum, der ihn in eine Anderwelt führt: Er liegt am Morgen unter einem Baum, als eine verwirrte, prachtvoll gekleidete Frau aus dem Wald zum Bach eilt. Er folgt ihr heimlich und bewundert ihren weißen Mantel, die blauen Kleider und die goldene Krone. Auf der anderen Seite erscheint eine zweite Frau in schwarz‑rot gestreifter Kleidung, die höhnisch lacht und mit höllischen Attributen beschrieben wird. Sie trägt eine Schlinge und wirkt bedrohlich. Die weiß‑blaue Frau erklärt dem Sprecher, dass sie der Schlinge nicht entkommen könne, und fordert ihn auf, zuzusehen. | |||
Die schwarz‑rote Gegnerin beschmutzt den Mantel der anderen und spricht ihr die Krone ab. Sie behauptet, selbst das Land gewonnen zu haben und eine größere Gefolgschaft zu besitzen. Die weiß‑blaue Frau widerspricht und beruft sich auf Ehre und Minne, die ihr die Krone zusprechen, sowie auf ihre große Anhängerschaft. Beide Seiten rühmen ihre Gefolgsleute und erklären schließlich den offenen Kampf. Die schwarz‑rote Frau will sogar die Freunde der Gegnerin bestechen. Die weiß‑blaue Frau vertraut dagegen auf die Treue ihrer Anhänger. Ein Termin für den Entscheidungskampf wird festgelegt. | |||
Der Sprecher bittet Männer und Frauen um Fürbitte, damit Gott richte und die schwarze Frau unterliege. Der Traum endet mit zwei Zeichen: Der beschmutzte Mantel wird wieder weiß, die schwarzen Hände der Gegnerin bleiben trotz Waschens unrein. Die weiß‑blaue Frau ernennt den Sprecher zu ihrem Boten und beauftragt ihn, ihre Anhänger zum Kampf um die Krone aufzurufen. Als Erkennungszeichen nennt sie die weiß‑blaue Kleidung. | |||
=== C Deutung des Traumes durch die Geliebte (189–344) === | |||
Der Sprecher erwacht und bittet seine Dame um Deutung. Zunächst weist sie ihn schroff ab, lässt sich dann aber auf eine systematische Auslegung ein. | |||
Im ersten Teil erklärt sie die beiden Frauen als Bescheidenheit und Umbescheidenheit. Die Farben werden nach Minnekonvention gedeutet: Weiß steht für Ehre, Blau für Beständigkeit, Schwarz für Schande, Rot für falsche Minne. Die Schlinge bedeutet falsche Rede, die die Ehre der Liebenden beschmutzt. | |||
Im zweiten Teil erläutert sie, dass das vergebliche Händewaschen bedeutet: Lügen fallen auf den Lügner zurück. | |||
Im dritten Teil deutet sie die Botschaft: Die Anhänger der Bescheidenheit sollen recht leben und treu bleiben, um die Krone zu verteidigen. Gegen eine große Schar von Gegnern helfe nur Wahrhaftigkeit. Die Feinde der Minne scheuten kluges, treues Verhalten. | |||
Zum Schluss erklärt sie die Erkennungszeichen der Anhänger der Bescheidenheit und erwähnt Männer, die aus Einsicht und ohne Minne weiß gekleidet seien und ebenfalls zur Erbengemeinschaft der Krone gehörten. | |||
=== D Schluss (345–349) === | |||
Der Sprecher versichert seiner Dame, dass er die Botschaft der Bescheidenheit weitertragen werde. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 667f.) | |||
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Aktuelle Version vom 15. Februar 2026, 14:04 Uhr
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Der Minnekampf (B409) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung erstes Viertel 14. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgf. 922, 12ra-14rb |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Der Minnekampf; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 666-668 |
Inhalt
A Prolog (1–4)
Der Sprecher erklärt, seine Geliebte habe ihn gebeten, »vom neuen Leben« zu dichten. Er nimmt den Auftrag an und beginnt seine Arbeit.
B Traum (3–188)
Der Sprecher fällt in einen Traum, der ihn in eine Anderwelt führt: Er liegt am Morgen unter einem Baum, als eine verwirrte, prachtvoll gekleidete Frau aus dem Wald zum Bach eilt. Er folgt ihr heimlich und bewundert ihren weißen Mantel, die blauen Kleider und die goldene Krone. Auf der anderen Seite erscheint eine zweite Frau in schwarz‑rot gestreifter Kleidung, die höhnisch lacht und mit höllischen Attributen beschrieben wird. Sie trägt eine Schlinge und wirkt bedrohlich. Die weiß‑blaue Frau erklärt dem Sprecher, dass sie der Schlinge nicht entkommen könne, und fordert ihn auf, zuzusehen. Die schwarz‑rote Gegnerin beschmutzt den Mantel der anderen und spricht ihr die Krone ab. Sie behauptet, selbst das Land gewonnen zu haben und eine größere Gefolgschaft zu besitzen. Die weiß‑blaue Frau widerspricht und beruft sich auf Ehre und Minne, die ihr die Krone zusprechen, sowie auf ihre große Anhängerschaft. Beide Seiten rühmen ihre Gefolgsleute und erklären schließlich den offenen Kampf. Die schwarz‑rote Frau will sogar die Freunde der Gegnerin bestechen. Die weiß‑blaue Frau vertraut dagegen auf die Treue ihrer Anhänger. Ein Termin für den Entscheidungskampf wird festgelegt. Der Sprecher bittet Männer und Frauen um Fürbitte, damit Gott richte und die schwarze Frau unterliege. Der Traum endet mit zwei Zeichen: Der beschmutzte Mantel wird wieder weiß, die schwarzen Hände der Gegnerin bleiben trotz Waschens unrein. Die weiß‑blaue Frau ernennt den Sprecher zu ihrem Boten und beauftragt ihn, ihre Anhänger zum Kampf um die Krone aufzurufen. Als Erkennungszeichen nennt sie die weiß‑blaue Kleidung.
C Deutung des Traumes durch die Geliebte (189–344)
Der Sprecher erwacht und bittet seine Dame um Deutung. Zunächst weist sie ihn schroff ab, lässt sich dann aber auf eine systematische Auslegung ein. Im ersten Teil erklärt sie die beiden Frauen als Bescheidenheit und Umbescheidenheit. Die Farben werden nach Minnekonvention gedeutet: Weiß steht für Ehre, Blau für Beständigkeit, Schwarz für Schande, Rot für falsche Minne. Die Schlinge bedeutet falsche Rede, die die Ehre der Liebenden beschmutzt. Im zweiten Teil erläutert sie, dass das vergebliche Händewaschen bedeutet: Lügen fallen auf den Lügner zurück. Im dritten Teil deutet sie die Botschaft: Die Anhänger der Bescheidenheit sollen recht leben und treu bleiben, um die Krone zu verteidigen. Gegen eine große Schar von Gegnern helfe nur Wahrhaftigkeit. Die Feinde der Minne scheuten kluges, treues Verhalten. Zum Schluss erklärt sie die Erkennungszeichen der Anhänger der Bescheidenheit und erwähnt Männer, die aus Einsicht und ohne Minne weiß gekleidet seien und ebenfalls zur Erbengemeinschaft der Krone gehörten.
D Schluss (345–349)
Der Sprecher versichert seiner Dame, dass er die Botschaft der Bescheidenheit weitertragen werde.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 667f.)