Was ist Liebe (Jungfrauenlob) (B339)

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Was ist Liebe (Jungfrauenlob) (B339)

AutorIn Jungfrauenlob
Entstehungszeit Überlieferung um 1481
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2940*, 30r-33r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Jungfrauenlob; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 519-521

Inhalt

A Prolog (1–7)

Viele junge Männer suchten in der Fremde nach Orten, an denen man aventure „verhandelt“ – so auch der Sprecher. Nun habe er endlich gefunden, wonach er sich gesehnt habe.

B Minnefragen und Suche nach Belehrung (8–42)

Der Sprecher berichtet von einem Besuch zweier junger Damen zur letzten Fastnacht. Sie stellen ihm fünf spielerisch‑rätselhafte Fragen zur Natur der Liebe:

  1. Fängt man Liebe mit Schlingen oder Hunden?
  2. Misst man sie in Ellen oder Pfunden?
  3. Muss man hoch hinaufsteigen, um sie zu erreichen?
  4. Misst man sie mit dem Lot?
  5. Welchem der vier Elemente entspricht sie?

Der Sprecher fühlt sich überfordert und erbittet zwei Tage Bedenkzeit. Er liest alle Bücher der „Liebeszucht“, fühlt sich aber weiterhin unsicher.

C Antworten (43–109)

Nach erneuter Bescheidenheitsformel gibt er allgemeine Hinweise: Liebe sei Einheit und zugleich eine Art Unfreiheit. Dann beantwortet er die fünf Fragen:

  1. Zur Jagd: Liebe müsse man nicht jagen; sie komme von selbst, bedränge die Menschen und treibe sie selbst in Kirchen und Klöstern zum Seufzen.
  2. Zu Maß und Gewicht: Liebe lasse sich durch kein Maß der Welt wiegen; wer von ihr ergriffen sei, lasse sich mit einem Halm binden wie mit einer Eisenkette.
  3. Zur Höhe: Man müsse nicht hochsteigen; selbst wer tief unter der Erde sei, könne von ihr getroffen werden – sofern er nicht alt sei. Liebe finde immer einen Weg.
  4. Zum Lot: Auch mit dem Lot sei Liebe nicht messbar; kein Gelehrter könne so viel Gewicht tragen, dass es ein „Quäntchen Liebe“ aufwiege.
  5. Zu den Elementen: Diese Frage sei zu hoch; er sei kein Pariser Meister. Vielleicht könne er später etwas dazu sagen.

D Vorläufige Schlussformel (110–119)

Er bittet, ihm Fehler nicht übelzunehmen; er habe ehrlich geantwortet. Die Schönheit einer Ungenannten habe ihn bewegt, dieses „Fastnachtspiel“ zu dichten.

E Nachgetragene Antwort zu den Elementen (120–151)

Er ergänzt nun doch:

  • Feuer: Wer im Feuer der Minne brenne, werde alt und unansehnlich.
  • Wasser: Vom Wasser der Minne würden alle Menschen getroffen, auch Bauern, Schmiede, Schuster und Drescher – und sie machten sich am Ende zum Narren.
  • Erde + Wasser: Menschen gäben für die Liebe Verwandtschaft und Besitz auf.
  • Luft + Feuer: Diese Verbindung bringe besonderen Schmerz.

Er bekräftigt seine Aussagen durch eigene Minnebetroffenheit.

F Schwierigkeiten der Minne und der Minnedichtung (152–179)

Er klagt über die Hindernisse wahrer Minne: Kein Bleigewicht könne den Schmerz aufwiegen, den Klaffer und falsche Liebe verursachten. Ohne eigene Liebeserfahrung könne man nicht über Liebe dichten. Wer bis zum 30. Lebensjahr nie geliebt habe, lebe „widernatürlich“.

G Schlussbitte und Autornennung (180–185)

Er bittet um ein gutes Ende für alle wahrhaft Liebenden. Die Liebe raube ihm den Schlaf. Im Schlussvers nennt er sich „Jungfrauenlob“.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 519-521)