Ironische Minnelehre (B350)

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Ironische Minnelehre (B350)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1464
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 270, 147v-152v
Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Cod. Oct. 145, 151r-160v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Ironische Minnelehre; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 544-546

Inhalt

A Einleitung (1–62)

Der Sprecher bekennt den Schmerz, den die Liebe seinem Herzen zufügt, und klagt über untreue Damen. Ein Mann hoffe vergeblich auf Lohn für seinen Dienst, wenn die Dame seine Treue nicht erkenne und sie für Feigheit halte. Dann müsse er mit ansehen, wie ein Dahergelaufener – ob aus Apulien oder Flandern – an seine Stelle trete, der statt treuen Dienstes nur Verführung kenne und die Dame allen anderen entfremde. Eine solche Frau verdiene kein Mitleid, sondern Spott und Schande.

B Ironische Minnelehre (63–277)

Der Sprecher gibt die Lehren eines Schreibers wieder, den er zuvor mehrfach diskreditiert. Die Lehre besteht aus konkreten Handlungsanweisungen und Formulierungen, die die höfische Minne ins Gegenteil verkehren:

  • Der Mann solle sein Herz vor allen ausschütten.
  • Keine Treuebindung eingehen.
  • Möglichst viele Frauen gleichzeitig lieben.
  • Lügen und ehrenvolle Minne schwören.
  • Nehmen, was man bekomme, statt auf Lohn zu hoffen.
  • Keine Frau über sich zum „Meister“ machen.
  • Mindestens neun Liebschaften pflegen und jeder ausschließliche Liebe versichern.
  • Sich vor Untreue der Frauen hüten.
  • Viel versprechen, wenig geben.
  • Eine Frau allein antreffen und mit ihr spielen wie mit einer Puppe; ihre Begierde anstacheln.
  • Behaupten, eine andere Frau gebe Geschenke, um Konkurrenz zu erzeugen.
  • Kleinodien und Ringe stehlen; bei Entdeckung sagen, man habe sie in ihrem Dienst tragen wollen.
  • Rückforderungen ignorieren, da die Frau ihn nicht verklagen werde.
  • Frauen bevorzugen, bei denen etwas zu holen sei.
  • Gegen ergebenen Frauen schroff auftreten.
  • Bei Vorwürfen der Untreue alles abstreiten, den Informanten verlangen, Treue schwören und sofort zum Gegenangriff übergehen, indem man der Frau Untreue vorwirft.
  • Ihre Tränen und Versuche, sich freizukaufen, annehmen.
  • Wenn sie lästig werde, einfach gehen; das Klagen sei wegen des Gewinns zu ertragen.
  • Sich nach dem größten Lohn richten und bei geringem Profit die Beziehung abbrechen.

Die Lehre endet mit dem Hinweis, Fehlendes könne der Leser selbst ergänzen.

C Schluss (278–292)

Der Sprecher warnt alle aufrichtigen Männer vor dieser Lehre und den falschen Kerlen, die dahinterstehen. Er wünscht, um der edlen Damen willen, dass Gott den Unbeständigen ewiges Leid bereite.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 545f.)