Die beiden Schwestern (B414)

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Die beiden Schwestern (B414)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1470/71
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgf. 488, 89v-92v
Dessau, Anhaltische Landesbücherei: Wiss. Bibl. u. Sondersammlungen Georg 150 8°, 193r-197v
Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 218v-222r
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 5919, 248r-251v
Prag, Knihovna Nárondního muzea: Cod. X A 12, 69v-72r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 680f.

Inhalt

A Einleitung (1–11)

Ein alter Ritter zieht in eine von Wald umgebene Stadt, wo seine beiden schönen Töchter im Mai ihre Zeit im Freien verbringen.

B Gespräch (12–128)

Die jüngere Schwester bittet die ältere zu bleiben, wird aber sofort nach ihrem Geliebten gefragt. Empört weist sie dies zurück und verlangt, die ältere solle zuerst ihre eigene heimliche Liebe offenbaren. Diese gesteht, den Sohn eines Bürgers zu lieben und von ihm geliebt zu werden. Die jüngere reagiert heftig: Ein solcher Mann habe keinerlei ritterliche Bewährung vorzuweisen und sei nicht einmal beritten, ganz anders als ihr eigener Geliebter, der durch Kampf und Reisen Ruhm erworben habe. Die ältere verteidigt ihren Geliebten mit seiner aufrichtigen Zuneigung, seinen nächtlichen Wegen zu ihr und seinen Ständchen. Die jüngere tadelt sie dafür, Liebe am Äußeren statt an ritterlicher Tugend zu messen, und verweist auf die im Kampf erworbene Wunde als Zeichen echter Bewährung. Die ältere erwähnt eine Stirnverletzung ihres Geliebten, weiß aber nicht, woher sie stammt; die jüngere verspottet dies als lächerliche Schramme. Als die ältere schließlich anführt, ihr Geliebter sei immer fröhlich, deutet die jüngere dies als Trunkenheit und kritisiert, dass er sich beim Wein mit seiner Liebe brüste. Ihr eigener Geliebter hingegen sei weithin für ritterliche Taten bekannt, was ihr Herz wachsen lasse. Die ältere gerät in ein Dilemma: Sie möchte den Geliebten nicht behalten, fürchtet aber, bei einem Bruch als unbeständig zu gelten.

C Belehrung und Absolution durch Frau Minne (129–160)

Eine schöne Dame erscheint mit einem Strauß oder einer bündelartigen Rute. Die jüngere kennt sie bereits; der Älteren stellt sie sich als Frau Minne, Lehrmeisterin der Liebe, vor. Sie tadelt jene, die der Liebe Unrecht getan haben und Strafe verdienen. Die ältere Schwester bekennt ihre Schuld und bittet um Lösung aus ihrem Verhältnis. Frau Minne gewährt dies, fordert sie zur Wahl eines neuen Geliebten auf und vollzieht eine symbolische Züchtigung, die die Ältere als wohltuend empfindet. Mit einer erneuten Ermahnung und einem Segen endet die Szene, gefolgt von einer abschließenden Segensbitte.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 680f.)