Der Minner im Garten (B424)
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Der Minner im Garten (B424) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung Anfang 15. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 358, 74r-82v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jakob: Der Minner im Garten; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 703-705 |
Inhalt
A Prolog (1–42)
Der Sprecher klagt die Minne und ihren „Orden“ an: Wer sich treu an eine Frau bindet, erleidet endloses Leid, wenn er sie meiden muss; Minne mache den Mann zum Toren und könne ihn bis zum Tod treiben. Er bittet die Minne, nun als Königin Venus angerufen, den gequälten Liebenden zu helfen, und kündigt an, wie er zu dieser Erwartung komme.
B Spaziergangseinleitung (43–70)
Im Mai reitet der Sprecher in ein unbekanntes Land und gelangt durch ein Tor in einen großen Garten, durch den ein Fluss mit Schiffen fließt. Dort entdeckt er einen jungen, königlich wirkenden Mann, der unter einem Baum seinen Liebeskummer beklagt.
C Belauschte Liebesklage (71–107)
Der junge Mann vergleicht seinen Schmerz mit Schnee, der vor Feuer schmilzt: Ohne den Anblick der Geliebten vergehe sein Herz. Jeder Tag erscheine ihm wie hundert Jahre, und selbst Stahl würde unter solcher Last zerbrechen.
D Belauschtes Gespräch mit Frau Venus (108–382)
Der Mann sinkt ohnmächtig nieder. Da erscheinen über fünfhundert Schiffe mit roten Segeln: Venus und ihr riesiges Gefolge, begleitet von einem überwältigenden musikalischen Aufzug. Nach langer Reise legt die Flotte an, Venus steigt aus und weckt den Minner. Sie versichert ihm, seine Treue habe ihn wertvoll gemacht – in ihren Augen und in denen der Geliebten. Als sie sich zu erkennen gibt, bricht der Minner in Vorwürfe aus: Sie sei treulos, habe ihn im Leid verlassen und schenke unverdient Glück jenen, die die Liebe verachten. Venus antwortet ruhig: Sie könne niemanden belohnen, dem die Liebe nichts bedeute; selbst wenn solche Männer von Frauen erhört würden, blieben sie vom höchsten Glück ausgeschlossen. Der treue Minner dagegen werde durch seine Beständigkeit veredelt und allen Frauen wert. Frauen, die Frauenverächter belohnen, bestrafe sie mit Verachtung. Venus erläutert dann in einem Gleichnis den Unterschied zwischen ehrlosem und ehrenhaftem Liebeswerben: Der Rabe, der ein krankes Rind frisst und prahlt, steht für den Unwürdigen; der Falke, der mutig den Reiher jagt und schweigend genießt, für den edlen Minner. Wer sich in Treue und ritterlicher Haltung erhebt, gewinnt zwangsläufig die Gunst der edlen Frauen. Bewahre der Mann die Geliebte beständig im Herzen, werde er von ihr Gruß und Erlösung empfangen. Der Minner gelobt, dieser Lehre zu folgen, und bittet Venus, auch seine Geliebte zu unterweisen. Venus versichert: Sie werde es tun.
E Epilog (383–388)
Der Sprecher fasst zusammen, dass Venus erklärt habe, wie Liebe und Leid, Würdige und Unwürdige zu unterscheiden seien, und bezeugt seine eigene Ohrenzeugenschaft.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 703f.)