Der Kittel (Meister Altswert) (B430)

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Der Kittel (B430)

AutorIn Meister Altswert
Entstehungszeit Überlieferung vor 1410
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 160r-191v
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 355, 33v-74v
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 358, 6v-39v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jakob: Meister Altswert; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 721-727

Inhalt

A Prolog (1–45)

Der Sprecher bittet Gott um Verstand und dichterische Meisterschaft, um die keusche Dame, die er als Vorbild erwählt hat und auf die all sein Denken gerichtet ist, in schlichten Worten preisen zu können. Er hofft auf ihre Gnade, beklagt sein Liebesleid und versichert ihr seinen unerschütterlichen Dienst.

B Traumerscheinung (46–95)

Früh am Morgen denkt der Sprecher an seine Geliebte und sehnt sich nach einem Land vollkommener Freude. Zwischen Schlaf und Wachen hört er die Stimme eines Boten, der ihn fragt, ob er in das Land der Venus reisen wolle, wo alle Wünsche erfüllt würden. Als er aufspringt, ist der Bote verschwunden. Doch die Verheißung beflügelt ihn, und er beschließt, den Boten in der ganzen Welt zu suchen, ungeachtet von Mühen und Gefahren.

C Reise nach Schottland (96–239)

Der Sprecher und sein Knecht reisen zunächst nach Schottland, durchqueren eine Maienlandschaft und verirren sich in einem einsamen Gebirge. Der Sprecher steigt auf eine Linde, findet aber keinen Weg. Er ermutigt seinen Knecht, da sich das Glücksrad schon oft zu seinen Gunsten gedreht habe. Ein riesiger Bär greift sie an, reißt ein Pferd und verfüttert es seinen Jungen. Nach weiteren Strapazen verlieren sie auch das zweite Pferd. Sie beobachten einen wilden Mann, der mit einer entwurzelten Tanne ein Wildschwein erschlägt. Nach fünf Tagen Irrfahrt, erschöpft und hungrig, schlafen sie in einem düsteren Wald ein.

D Traum / Der wunderbare Garten (240–368)

Im Traum erscheint erneut der Bote und führt den Sprecher, selbst mit einer Tarnkappe versehen, in das Land der Venus. Sie gelangen in einen prachtvollen Garten, wo der Sprecher an einem Brunnen warten soll. Er betrachtet den Springbrunnen aus edlen Materialien, dessen Wasser nach Balsam schmeckt, und die paradiesischen Bäume, die gleichzeitig blühen und Früchte tragen. Ein Gartenhaus übertrifft selbst königliche Paläste und ist mit lebendig wirkenden Frauengestalten sowie mit Wappen und Helmen berühmter Ritter geschmückt.

E Traum / Die Botin von Frau Venus (369–798)

Der Sprecher gelangt zu einem Fischweiher und begegnet der Rosen pflückenden Botin der Venus, die er zunächst für seine Geliebte hält. In einer ausführlichen Schönheitsbeschreibung preist er ihr Haar, ihr Gesicht und ihren Körper. Die Botin umarmt ihn, verspricht Erfüllung all seiner Wünsche, und beide geben sich inniger Minne hin, wobei der Sprecher stets die Wahrung ihrer Ehre betont. Ein Wächterruf unterbricht sie. Die Botin offenbart sich nun als Gesandte der Venus und nennt die fünf Königinnen, die ihn sehen wollen. Sie erklärt ihre Farben, erläutert die im Gartenhaus dargestellten Gestalten und nennt die zwölf Tugenden, die zur Gnade der Venus führen. Der Sprecher hält sie weiterhin für seine Geliebte, doch sie lacht und erklärt, er habe sich getäuscht; sie gleiche seiner Dame nur in Tugend. Sie preist die Geliebte in überhöhten Bildern und verspricht, Vermittlerin zu sein.

F Traum / Der Palast der Venus (799–1182)

Die Botin führt den Sprecher zum Palast der Venus, der über eine gewaltige Zugbrücke erreichbar ist. Ein riesiger Wächter lässt ihn passieren. Im Inneren sieht er einen Saal voller Heldenbilder und einen Kronleuchter aus kostbaren Edelsteinen, deren Wirkungen beschrieben werden. Als er den Gesang der Königinnen hört, glaubt er, im Paradies zu sein. Die Königinnen erscheinen in prachtvollen Kleidern, deren Stoffe und Edelsteine jeweils bestimmte Tugenden symbolisieren. Der ganze Palast ist mit Edelsteinen und Darstellungen aller Lebewesen geschmückt.

G Traum / Bericht von der Neuen Minne im Elsass (1183–1510)

Venus und die Königinnen begrüßen den Sprecher und versprechen, ihn von seinem Liebesleid zu befreien. Venus fordert ihn auf, vom Leben im Elsass zu berichten. Nach anfänglichem Zögern schildert er unter ihrem Druck die „Neue Minne“: Frauen mit künstlichen Locken, tiefen Ausschnitten und wechselnden Liebhabern; Männer, die prahlen, betrügen, sich lächerlich kleiden und ritterliche Tugenden verachten. Venus und die Königinnen verurteilen diese Unsitte scharf und verwehren ihren Anhängern den Zugang zum Reich der Venus. Der Sprecher bittet um Unterweisung in der wahren Minne.

H Traum / Minneregeln (1511–1760)

Venus belehrt den Sprecher über Tugenden wie Maß, Beständigkeit und Vorsicht. Auf seine Frage nach dem geeigneten Alter für Frauen nennt sie zwanzig Jahre, da erst dann Güte, Klugheit und Keuschheit gefestigt seien. Jüngere Frauen seien wankelmütiger. Der Sprecher bekennt seine Sehnsucht nach seiner Geliebten. Venus trägt einen umfangreichen Regelkatalog vor, der Gottesliebe, Treue, Ehre, Verschwiegenheit, Freigebigkeit, Mut, Standhaftigkeit und viele weitere Tugenden umfasst. Sie warnt vor der Neuen Minne und preist die Wirkung der rechten Minne, die Rittertum, Freude und Tugend hervorbringe und Menschen zur Einheit führe.

I Traum / Schatzkammer (1761–1808)

Venus führt den Sprecher in ihre Schatzkammer und bietet ihm an, sich ein Geschenk zu wählen. Er wünscht sich jedoch nur die Gunst seiner Geliebten und schämt sich, materielle Gaben anzunehmen. Venus überreicht ihm dennoch vier Edelsteine, die Treue, Beständigkeit, Ehre und Liebe symbolisieren, und verabschiedet ihn.

J Erwachen und Schluss (1809–1894)

Der Hahn kräht, der Sprecher erwacht und spürt einen Schlag gegen sein Herz, den er unkommentiert lässt. Er schließt mit einem Lob seiner Geliebten, einem erneuten Liebesbekenntnis und einer Reihe von Anreden, die ihre Tugenden und seine Hingabe ausdrücken. Schließlich nennt er den Titel des Werks: Der Kittel.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 721-727)