Frau Ehrenkranz (B434)
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Frau Ehrenkranz (B434) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1433 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 238v-245r; 472r-479r Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 61ra-63va |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 741-743 |
Inhalt
A Spaziergangseinleitung (1–141)
Der Sprecher erwacht vor Tagesanbruch, kleidet sich an und wandert in den Maimorgen hinein, bis er einen Berg erreicht. Über einen schmalen Steig gelangt er in ein Hochtal, dessen Schönheit er ausführlich schildert: sonnendurchflutete Wiese, balsamduftende Blumen, tauglitzernde Gräser, überreicher Wohlgeruch, blühende Bäume, singende Vögel und spielende Tiere. Inmitten der Ebene entdeckt er einen großen Dornenstrauch, umgeben von einer dichten Rosenhecke, in deren Innerem sich eine Wiese und eine Quelle befinden. Er kriecht durch das Bachbett in den Hag und sieht dort eine Burg, in der eine gekrönte Dame mit ihrem Hofstaat residiert. Um sie ungestört beobachten zu können, versteckt er sich im Gebüsch. Als ein kleiner Zwerg zur Quelle tritt, tritt der Sprecher hervor, um ihn zu befragen.
B Gespräch mit dem Zwerg (142–395)
Der Zwerg beschuldigt den Sprecher heftig, Rosen und Klee zertreten zu haben, was streng verboten sei, und fordert ein Pfand. Der Sprecher bestreitet den Schaden, worauf der Zwerg die Forderung wiederholt. Erst als der Sprecher droht, lenkt der Zwerg ein und verlangt stattdessen eine Erklärung für das heimliche Beobachten. Der Sprecher gesteht dies, worauf der Zwerg sich beruhigt. Auf die Frage nach Burg und Hofstaat erklärt er, die Herrin sei Frau Ehrenkranz, erzogen von fünf Erzieherinnen, die sie seit Kindheit zu vollkommener höfischer Haltung geformt hätten: Adeltrut für adelige Gestalt und Haltung; Schamigunt und Zuchtliebe für Schamhaftigkeit, Wohlerzogenheit und höfischen Umgang; Tugendhild für Tugendbildung und kluge Gesprächsführung; Maßeburg für maßvolles Entscheiden und Vorsicht. Nach einem überschwänglichen Lob der Herrin kündigt der Zwerg an, dass es Zeit sei, heimzukehren. Der Sprecher stellt eine letzte Frage: ob die Herrin einen Diener brauche. Der Zwerg nennt als Bedingung völlige Dienstfreiheit und keinerlei frühere Verpflichtungen. Der Sprecher versichert dies und nennt seine Burgen als Aufenthaltsorte. Der Zwerg verspricht, ein gutes Wort einzulegen und bald zurückzukehren.
C Schluss (396–408)
Der Sprecher berichtet, er habe dem Zwerg zum Dank einen goldenen Ring gegeben und weitere Gaben in Aussicht gestellt. Seitdem warte er vergeblich auf Nachricht und wagt es nicht, einen anderen Dienst anzunehmen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 741-743)