Warnung an hartherzige Frauen (B479)
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Warnung an hartherzige Frauen (B479) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung 1460-1470 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 719, 68r-101r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Warnung an hartherzige Frauen; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 878-883 |
Inhalt
A Prolog (1–64)
Der Sprecher erklärt, es sei seine Pflicht, Verirrte auf den rechten Weg zurückzuführen. Mit Berufung auf die Schrift will er mahnen und urteilen, um Frauen, die sich von Venus abgewandt haben, wieder zum Dienst der Minne zu bewegen. Er kündigt an, von den Strafen zu berichten, die hartherzige Frauen erwarten.
B Rahmenerzählung (65–156)
Im Jahr 1460 unternimmt der Sprecher mit einer Hofgesellschaft eine Brunnenfahrt. Er beobachtet höfische Vergnügungen im Wald, zieht sich dann aber in einen von einer Hecke umschlossenen Ort zurück. Dort belauscht er heimlich ein Gespräch zwischen einer Dame und einem Ritter, weist jedoch darauf hin, vieles davon nur bruchstückhaft behalten zu haben.
C Streitgespräch über die Minne (157–414)
Der Ritter preist die Dame und bekennt seine Liebe, während sie bescheiden antwortet. Er schildert sein Leid und bittet um Erlösung, sie gewährt ihm jedoch nur den Anblick ihrer Person. Er betont, ohne ihre Gegenliebe zugrunde zu gehen, und rühmt die Minne als Quelle aller Tugend. Die Dame warnt vor der Unfreiheit der Liebe und hält am Wert des eigenen Willens fest. Der Ritter widerspricht und warnt sie vor göttlicher Strafe für Hartherzigkeit. Sie fordert ihn daraufhin auf, diese Strafe zu erklären.
D Allegorie vom Minnepalast (415–676)
Der Ritter beschreibt den Palast der Minne mit vier Pforten, die verschiedene Arten weiblichen Verhaltens symbolisieren: die selten geöffnete Pforte der Tugendhaften, die immer offene der Unbeständigen und die verschlossene der Hartherzigen. Frauen, die niemanden einlassen, seien ihrer Bestimmung entgegengesetzt und stünden unter göttlichem Bann. Die Dame weist die Allegorie zurück und nennt sie eine Erfindung, worauf der Ritter ein Erlebnis aus seiner Jugend als Beweis ankündigt.
E Erzählung von den toten Liebenden (677–1652)
Der Ritter berichtet von einer Aventiurefahrt, auf der er sich von seiner Gruppe verliert und einem gewaltigen Zug Verstorbener begegnet, angeführt von Venus. Drei Züge erscheinen: vorbildlich Liebende, unbeständige Frauen und jene, die die Minne stets verweigert haben. Eine Frau aus dem dritten Zug erklärt ihm die Bedeutung der Gruppen und warnt vor den Folgen hartherzigen Verhaltens. Sie führt ihn weiter zu einem dreigeteilten Anger mit einem Zauberbaum: Im innersten Kreis genießen die treuen Liebenden paradiesische Freuden, im mittleren leiden die Untreuen, im äußeren die Minneverweigerinnen unter Feuer und Dornen. Der Ritter wird beauftragt, die Lebenden zu warnen. Venus bestätigt den Auftrag, mildert das Leid der Dame aus dem dritten Kreis und weist dem Ritter den Weg zurück.
F Fortsetzung des Streitgesprächs über die Minne (1653–1749)
Der Ritter überträgt die Lehre seiner Vision auf seine Geliebte und mahnt sie zur rechten Minne. Sie lässt sich überzeugen und bekennt sich zur östlichen Pforte. Der Ritter dankt Venus und hofft auf Gegenliebe. Beide brechen auf.
G Fortsetzung der Rahmenerzählung (1750–1758)
Der Sprecher, der weiterhin verborgen in der Hecke sitzt, versichert, alles gehört zu haben, ohne selbst bemerkt worden zu sein, und verlässt sein Versteck.
H Epilog (1759–1818)
Der Sprecher erklärt, die Ereignisse hätten ihn veranlasst, sie zum Vergnügen der edlen Frauen aufzuschreiben. Er begründet, weshalb er nur von der Minne sprechen könne, und betont in einem Bescheidenheitstopos seine geringe dichterische Fähigkeit. Er hofft dennoch, einer tugendhaften Frau Freude zu bereiten, die ihn um die Niederschrift gebeten habe. Mit einer abschließenden Sentenz und einem Segenswunsch endet die Rede.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 878-883)