Liebesgrüße und Minnesprüche (Z32)

Aus Brevitas Wiki
Version vom 5. April 2026, 20:41 Uhr von Silvan Wagner (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Liebesgrüße und Minnesprüche (Z32)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung 1548
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Druck Lübeck 1548: Johann Balhorn d.Ä. (VD16 S 3675), 22v, 23r, 25r, 25v. 26r, 26v, 27v, 28v, 29r, 29v, 30r, 30v, 31r, 31v, 32r, 32v, 34v, 35v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 1014-1018

Inhalt

  1. Neujahrsgruß: Das sündenfreie Jesuskind solle im Herzen bewahrt werden; dieser Wunsch werde zum Neujahrsgeschenk.
  2. Liebesgruß: Die Geliebte am Herd solle Michel Wolgast erhalten, den sie begehre – hören oder im Herzen tragen könne sie ihn jedoch nicht.
  3. Liebesgruß: Die Geliebte erhalte einen „Brief des Herzens“, das sie unter allen Lebenden außer Jesus erwählt habe; der Sprecher betont seine aufrichtige Liebe.
  4. Liebesgruß: Die Geliebte, als „goldner Milan“ angeredet, könne er aus den Augen, aber nie aus dem Herzen verlieren.
  5. Liebesgruß (Adynata): Er wünsche ihr Gesundheit „bis ein Veilchen ein Pfund wiegt“ und versichert, sie sei die Liebste, selbst wenn das Veilchen nur ein Lot wiege.
  6. Liebesgruß: Die Geliebte am Herd solle einen alten Mann bekommen, den sie verabscheue; sie müsse ihn pflegen und ihm das Essen vorkauen.
  7. Liebesgruß: Die Geliebte, erneut „goldner Milan“, bringe ihn zum Lachen, doch wegen der Spötter müsse er es unterdrücken.
  8. Minnelehre: Wahre Liebe trage man gemeinsam; wer zurückschrecke, sei untreu. Ehre und Treue gewinne, wer Falschheit meide.
  9. Minnelehre: Wer eine treue Geliebte wolle, müsse auf alle anderen verzichten; wer mehrere Pferde reite, habe mehr zu beschlagen.
  10. Minnelehre: Wer eine treue Geliebte habe, solle nicht weiterziehen; was man bei der einen abgelegt habe, finde man bei der nächsten wieder.
  11. Minnespruch: Der Sprecher als Jäger wolle so lange jagen, bis er eine treue Geliebte gefunden habe.
  12. Minnelehre: Wende sich die Geliebte ab, solle man es zulassen; nach Regen folge wieder Sonne.
  13. Minnelehre: Renne ein hübsches Mädchen einem nach, solle man nicht zu schnell nachgeben; man ziehe die Angel erst heraus, wenn die Fische fort sind.
  14. Minnelehre: Man solle in Liebesfreuden geschätzt sein; auch missgönntes Brot werde gegessen.
  15. Minnespruch: Er glaubte einst, der Liebste zu sein; nun sei ein anderer bevorzugt. Diesem prophezeit er dasselbe Schicksal.
  16. Minnelehre: Höfisches, kluges Verhalten bringe Lob; über Frauen solle man nur Gutes sagen, dann machten sie einen froh.
  17. Liebesgruß: Vermutlich eine Frau spricht: Der Wind habe einst für den Geliebten gestanden, nun sei er gedreht; er solle gehen und sein Bestes tun.
  18. Minnelehre: Wer um eine Geliebte wirbt und keine Geschenke macht, werde schnell unbeliebt.
  19. Minnelehre: Schlimmer als Gift sei ein Feind, der sich als Freund ausgebe.
  20. Minnelehre: „Merke“ pflücken, „Melde“ stehen lassen – so komme man mit allen Menschen aus.
  21. Minnelehre: Leid sei schwer, doch die Geliebte meiden zu müssen sei tödliches Gift.
  22. Minnespruch: Er war erst geliebt, dann verstoßen; doch habe er noch eine Geliebte, die gut zu ihm sei.
  23. Minnespruch: Die Geliebte sei schön und tugendhaft, von jungen Männern begehrt, könne aber nichts verschweigen.
  24. Liebesgruß: Man solle seiner Dame ein kleines, erlaubtes Brieflein übergeben.
  25. Liebesgruß: Als Bote eines kleinen Briefes grüßt er die Geliebte aus wahrer Liebe – so oft wie Sand im Meer – und apostrophiert sie zärtlich.
  26. Minnespruch: Durch Hinterlist sei er in Not geraten, doch die Geliebte habe seinen Schmerz genommen.
  27. Liebesgruß: Die Geliebte wird als Rosengardelin angeredet; er hoffe auf Erhörung, sonst sterbe er – eine übertriebene Drohung.
  28. Minnespruch: Ob zwei Liebende leiden, wenn sie sich meiden müssen, frage er; niemand rechne es ihm an.
  29. Minnespruch: Er sei einst geliebt worden, musste aber weichen, als ein noch Lieberer kam; nun sei er „von der Brücke gefallen“ und hoffe auf Rückkehr.
  30. Liebesgruß: Eine Frau bittet den Geliebten, an sie zu denken, wie sie an ihn denke; dann werde sie ihm dankbar sein.
  31. Minnelehre: Jeder Geselle trage am Ende Schwarz; sei ihm eine Frau gewogen, solle er schweigen.
  32. Minnelehre: Liebe bringe Sorgen; wer Gott über alles liebe, müsse sich nicht sorgen.
  33. Liebesgruß: Der Anblick der Geliebten erfreue ihn.
  34. Minnelehre: Liebe bringe Unglück, das lehre jede Schule; dennoch wolle jeder junge Mann eine Frau gewinnen.
  35. Minnelehre: Wer der Hurerei entsagen wolle, solle mit jungen Männern Wein trinken und die Hure Hure sein lassen.
  36. Liebesgruß: Die Geliebte („Schoen leff“) sei im Herzen unbeständig; ihre Worte seien schlimmer als Gift und bedrückten viele Männer; die Schlussmahnung sei wohl verderbt.
  37. Dialog: Der Mann fragt, ob ihre Liebe Scherz oder Ernst sei; die Frau antwortet, sie liege zwischen beidem.

(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 1014-1018)