Drei Edelsteine (B370)

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Drei Edelsteine (B370)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung 1405-1408
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Brüssel, KBR 15589-623, 54rb-55ra
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 583f.

Inhalt

A Die Eigenschaften der drei Edelsteine (1–37)

Der Sprecher beginnt unmittelbar mit einer Aufzählung dreier kostbarer Edelsteine, deren Wirkung so groß sei, dass man sie stets loben müsse.

  1. Diamant: Ein viereckiger, leuchtender Stein, der Glück schenkt, wie es aus wahrer Freundschaft erwächst. Er ist unzerbrechlich durch Metall oder Stein und nur durch Bocksblut zu erweichen.
  2. Smaragd: Ein klarer Stein, der Sanftmut und Freude bringt. Wird er für etwas Unehrenhaftes genutzt, verliert er seine Kraft und springt.
  3. Rubin: Er glüht in der Sonne wie Feuer und stärkt und tröstet die Menschen.

B Auslegung auf die Frauentugenden (38–87)

In direkter Anrede erklärt der Sprecher einer Frau, ihr Körper besitze mehr Kraft als jeder Edelstein.

  1. Diamant: Eine ehrenhafte Frau solle sich wie dieser Stein schützen, sich nur einem treuen und würdigen Mann zuwenden und sich nicht durch Schmeichelei oder Habgier beeinflussen lassen.
  2. Smaragd: Wie dieser Stein Freude im Kummer schenkt, solle sie ihre Reinheit bewahren und Schande meiden. Verliere sie durch unbedachte Begierde ihre Ehre, verliere sie wie der Smaragd ihre Kraft. Bleibe sie jedoch untadelig und in guter Gesellschaft, sei sie selbst Quelle der Freude.
  3. Rubin: Wie der Rubin im Sonnenlicht brennt, solle in ihr das Feuer der Schamhaftigkeit mit der Sonne der Herzlichkeit leuchten, damit sie Versuchungen widerstehe und ihre Würde bewahre. Dann werde sie Spiegel der Ehre und Vorbild guter Lehre.

C Zusammenfassende Lehre (88–113)

Der Sprecher fordert die Frau auf, sich wie der schlichte, harte Diamant zu verhalten und „viereckig“ zu sein im Sinne der vier Elemente, die Gott in sie gelegt habe. Sie solle sich nur von dem Mann erweichen lassen, der sie treu und ehrenhaft liebt. Wie der Smaragd solle sie in Freude leben und sich nicht täuschen lassen. Und wenn sie dem Rubin gleichen wolle, müsse sie ihren Körper schützen und ihre Reinheit bewahren.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 583f.)