Der entflogene Falke (B503)
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Der entflogene Falke (B503) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung um 1400 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 358, 134r-140v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jakob: Der entflogene Falke; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 943-945 |
Inhalt
A Exposition (1–14)
Der Sprecher beklagt sein Minneleid: Die Traurigkeit ströme wie ein schneller Bach durch seine Gedanken und raube ihm jede Freude.
B Spaziergang (15–61)
Vom Kummer getrieben wendet er sich einem Wald zu, läuft durch grünen Klee und sieht plötzlich eine schöne Dame im Passgang auf sich zukommen. Er fürchtet, sie könne fliehen, doch sie bleibt stehen. Auch sie wirkt von Leid erfüllt. Sie grüßt ihn freundlich, und er preist vor seinem Publikum ihre Schönheit, Würde und Beständigkeit.
C Gespräch (62–271)
Die Dame klagt, ihr Falke sei ihr entflogen, ein Vogel, der ihr Freude, Spiel und Herzenskurzweil gewesen sei. Seit ihren ersten Kinderspielen habe sie nichts so Liebes besessen. Der Verlust raube ihr jede Freude, denn der Falke sei von edler Zucht und von ihr liebevoll großgezogen worden. Auf ihren Hilferuf rät der Sprecher, einen neuen Falken aufzuziehen, doch sie weist dies entschieden zurück: Es sei unvorstellbar, einen Ersatz zu suchen, da sie den Vogel seit seiner Geburt gepflegt habe. Der Sprecher bietet an, den Falken im Wald zu suchen, doch sie lehnt ab, da dies nur zusätzliches Leid bringe und der Vogel unwiederbringlich verloren sei. Sie schildert, wie sie ihn über Jahre erzogen, vor Untugend bewahrt und nach allen Regeln der Kunst gepflegt habe. Heute jedoch habe er gescheut, sei nicht ihrem Ruf gefolgt und davongeflogen. Nun wolle sie trauern wie eine Turteltaube, denn nirgends werde der Falke so umsorgt werden wie bei ihr. Er trage nun das rote Gold und die Schellen davon, deren Klang ihr Herz erfreut habe. Sie bittet den Sprecher, die Suche aufzugeben, da der Vogel seine Zahmheit verloren habe. Er zeigt erneut Mitgefühl, doch sie weist jede Hilfe zurück, wünscht ihm Gottes Schutz und trennt sich von ihm.
D Lehre und Lob der Treue (272–284)
Der Sprecher schließt mit der Lehre, dass die Treue einer reinen und würdigen Frau alle andere Treue überrage. Wahre Treue sei nur bei guten Frauen zu finden. Der Dame wünscht er, dass ihr ein glückliches Wiederfinden beschieden sei.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 943-945.)