Die Jagd der Minne (B505)
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Die Jagd der Minne (B505) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung um 1433 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 120va-123va |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Die Jagd der Minne; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 947-949 |
Inhalt
A Aufbruch zur Jagd (1–60)
Der Sprecher beschließt, zur Jagd aufzubrechen, und freut sich über seine beständigen Hunde. Seinem Leithund wünscht er Glück und Erfolg, lässt sich später die übrigen Hunde bringen und eilt los. Der Leithund findet eine Fährte, und der Sprecher folgt ihm bescheiden, bis er im Wald die Spur des Wildes erkennt und schließlich seine schöne, zarte Hirschkuh erblickt. Der Anblick erfüllt ihn mit Freude und beflügelt seine eifrige Jagd.
B Gruppierung der Hunde und Unterredungen mit dem Jagdknecht (61–140)
Der Sprecher dankt Gott, dass er seine Hunde auf die Fährte schicken darf: Zuerst setzt er Wille ein, dann Liebe und Trost. Mit dem Horn ruft er seinen Jagdknecht, der mit den übrigen Hunden erscheint. Der Sprecher überlegt, Harre, Staete und Treue erst später einzusetzen und Trauern, Zweifel und Vermögen fernzuhalten; diese sollen zusammengebunden werden. Zu gegebener Zeit wolle er Freude, Nutz und Maß nachjagen lassen. Der Knecht drängt zur Eile, doch das Wild flieht in den Wald. Trost verfolgt es zuerst, während der Sprecher fröhlich weiterjagt und dem Gebell von Wille lauscht.
C Begegnung mit dem Heckenjäger (141–230)
Der Sprecher trifft auf einen zornigen Heckenjäger mit Netz und Seil, der ihm den Gruß verweigert. Der Sprecher begrüßt ihn dennoch und fragt nach seinen Hunden. Der falsche Jäger prahlt mit vielen Hunden, was den Sprecher wundert, da ein gut ausgestatteter Jäger keine Fallen brauche. Er selbst wolle das edle Wild weder töten noch verletzen, sondern tugendhaft jagen. Der Heckenjäger hält dies für töricht und bekennt sich zur Jagd auf Gewinn. Er nennt die Namen seiner Hunde – Unverschwiegen, Fälschen, Betrügen, Lügen – und später weitere wie Unstaete, Treulosigkeit, Wankelmut, Neid, Schwatzen, Rüge, Schande und Schalk. Der Sprecher verurteilt diese Meute und verabschiedet sich rasch, aus Sorge, der falsche Jäger könne seine Hunde auf seine Fährte hetzen.
D Erfolgloser Jagdvorgang (231–469)
Als der Sprecher Wille und Freude hört, eilt er zu seinen Hunden und sieht das Wild vor ihnen stehen. Er hofft auf den entscheidenden Moment, doch Schalk und Rüge tauchen auf, und er fürchtet, der falsche Jäger werde die Jagd stören. Der Knecht rät, das Wild in den Wald fliehen zu lassen und auf die eigene Meute zu vertrauen. Der Sprecher sorgt sich, denn nun jagen sowohl seine Hunde als auch die des Heckenjägers hinter der Hirschkuh her. Er rennt quer durch den Wald, setzt schließlich alle seine Hunde ein, hört aber immer wieder das Gebell der unhöfischen Meute. Die beiden Hundescharen geraten aneinander, die Jäger trennen sie, und das Wild entkommt erneut. Der falsche Jäger versucht es mit Fallen, scheitert jedoch, und die Hirschkuh entflieht mit einem weiten Sprung. Der Sprecher freut sich über den Misserfolg des Treulosen und setzt seine eigene tugendhafte Jagd fort. Ein anderes edles Tier erscheint, doch die Hunde des Heckenjägers jagen ihm nach, während seine eigenen der richtigen Fährte treu bleiben. Der Sprecher eilt ihnen nach und führt die Jagd auf freiem Feld weiter.
E Offenes Ende der Jagd (470–478)
Obwohl der Ausgang ungewiss bleibt, hält der Sprecher an der Hoffnung fest, dass das Glück ihm ein gutes Ende gewähren möge und die Tugendhaftigkeit seiner Hunde zum Erfolg führe.
(Ausführliche Inhaltshaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 947-949.)