Geißlerorden (Enoch Widman)
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Geißlerorden | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] Anno 1346 kam in Deudschland ein neue rott auf, die geißler genant, die zogen von einem ort zum andern, geiselten sich selbst aus andacht und zu buß ihrer sunden, gingen des tags zweimal in die kirchen, entblöseten sich biß uff die gurtel, knieten an einen ring und schlugen sich mit geißlen und ruten auch biß uffs blut, fielen darnach miteinander uff die erden creutzweis wie ein crucifix, sungen und beteten für ihre und ander leut sunde. Es waren unter ihnen edel und unedel, priester und leien, weib und kindt, stelleten sich sehr geistlich, redten wenig, mit den weibern aber gar nichts, trugen hinden und forne creutz an ihren kleidern und ein ider ein ruten und geisel, namen kein geld noch almosen, geladen assen sie mit iderman und war ein groß gereiß umb sie, ein ider wolt sie zu gast haben. Sie namen niemand in ihren orden, er hette dann von seinem eigenthumb alle tage 8 d zu verzehren, damit sie niemand beschweren dörfften. Es muste ein man, so mit ihnen zihen wolte, zuvor von seinem weib urlaub und ein weib von ihrem man vergunst haben. Und alß sie ettwan nach sieben jharen zum babst Innocentio VI. zihen und ihre heiligkeit ihme zeigen wolten, ward ihnen das land verboten und ihr ertichter gottesdinst verbannet, also daß sie auch niemand ferner hausen oder ihnen anhangen dorffte. Verging also diese selbst erdachte heiligkeit in kleiner zeit.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 104. Marginalie: "Geißlerorden".