Predigen wird eingestellt (Enoch Widman)
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Predigen wird eingestellt | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] In diesem jhar, Sonnabend nach S. Johannis des Tauffers, den 25. junii, hat Hans von Reitzenstein zum Schwarzenstein, haubtman allhie, aus S. Michelskirchen einen stul, darinnen zwo burgersfrauen ihren stand gehabt, durch Peter Ochsen castnern und zwen diener uff den abend gewaltthetig nehmen und für das gemeine frauenhaus hinunter in die fromme Orla tragen lassen, unbegrußt der geistlichen. Darüber er und die theter von den bambergischen praelaten in den kleinern bann verdambt worden. Und alß er magister Erhardum Königsdörffer, predigern zu S. Michel, alß des banns privat executorn zwingen wollen, er solte ihn davon absolvirn, und er Königsdörffer geantwortet, es stunde nicht in seiner macht und gewalt, hat der haubtman durch bemelten castner, sambt vier dienern, dem magister Königsdörffer in seiner wohnung berauben und vier bucher mit gewalt aus dem haus nehmen lassen, montag nach Visitationis Mariae, nemlich an S. Ulrichstag, den 4. julii. Die geistliehen liessen die sach nach Bamberg gelangen und uff erfolgete resolution wurde die kirchen am tag Chiliani, den 8. julii, zugesperret und blieb acht tag lang ohne alle kirchenactus verschlossen, biß der gegentheil bedes den stuel widerumb in die kirchen und dem prediger seine geraubte bucher zu haus geschaffet. Nach solchem wurden die Verbrecher zu allen theilen gestrafft und alßdann vom bann wider absolvirt, dann es war vor alters der brauch, wann man die priesterschafft gewaltthetig angriff, sie alßdann die kirchen zuschlossen und alle actus sacros, biß zu vertrag der Sachen, einstelleten und solches ist zu unsern Zeiten auch geschehen. Dann alß anno 1567, den 13. februarii, magister Johann Streitberger, prediger allhie, sampt seiner hausfrauen und sohn magister Aurelio[2] (itzt bede der Heiligen Schrifft [S. 234] doctores) in der alten Wunscholdin haus vor dem Untern Thor von derselben beden söhnen Wolff und Peter mit rauffen und schlagen sehr übel tractirt wurden,[3] ist den folgenden tag, am frei tag die kirchen zu S. Michel zugehalten und die predig eingestellet worden. Die obrigkeit aber hat sich ihres ambts gebraucht und bede bruder (welche die neue freundschafft nicht annemen wollen und derhalben einen solchen tumult angefangen) uff den gehorsam uffs Ober Thor gewisen und hernach biß zu gutem vertrag der Sachen in ihren heusern ein zeitlang verstricket, damit der beleidigte theil zu friden gestellet worden. Folgenden 18. februarii, dinstag nach Invocavit, die Concordiae hat magister Aurelius Streitberger mit Barbara Wunscholdin seine hochzeitliche ehrenfröligkeit gehalten und sind die stritigen schweger nachmalß widerumb gute freund worden.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 233f. Marginalie: "Haubtman allhie kriegt mit den geistlichen zu schaffen".
- ↑ Marginalie: "Magister Johannes Streitberger und sein sohn werden ubel tractirt".
- ↑ Marginalie: "Vidimus p. 276".