Der Knappe und die Frau (B261)
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Der Knappe und die Frau (B261) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Vor 1425 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Hdschr. 115, 19r-21r Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 2370, 52v-57r Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 322v-328r Karlsruhe, Landesbibliothek: Cod. Donaueschingen 104: 217ra-219ra London, British Library: MS Add. 24946, 154r-158r München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 270, 130v-135r München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 713, 81v-87v Stuttgart, Landesbibliothek: Cod. poet. et phil. 4° 69, 260v-266v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Altenhöfer, Florian: Der Knappe und die Frau; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 398-401 |
Inhalt
A Eingangssituation
Der Sprecher besucht eine junge Frau, um sie zu befragen. Er habe viel über Minne gehört, gesungen und gelesen, auch Tagelieder und Aventiuren, in denen Ritter von Damen belohnt werden. Er fragt, warum Ähnliches nicht auch einem Knappen widerfahren könne und warum ein Knappe für ritterliche Taten keinen Dank erhalte. Die junge Frau antwortet, dass eine Dame einem ritterlich handelnden Knappen nichts vorwerfen dürfe, nur weil er keinen Ritternamen trage. Äußerlichkeiten wie vergoldete Sporen seien bedeutungslos; treuer Minnedienst könne auch einen Knappen ans Ziel führen. Zur Illustration erzählt sie ein eigenes Erlebnis.
B Planung einer Liebesbegegnung
Ein Knappe bittet die junge Frau, ihm zu helfen, die geliebte Dame heimlich zu treffen. Als Kammerzofe trägt sie sein Anliegen vor. Die Dame willigt ein, fürchtet aber die Wächter. Die junge Frau beruhigt sie, informiert den Knappen und vereinbart ein geheimes Signal, auf das er nach Einbruch der Dunkelheit kommen soll. Auch der Knappe fürchtet Entdeckung, gelangt aber schließlich ins Gemach.
C Die Nacht bei der Dame
Die gegenseitige Erregung wird mit literarischen Paaren verglichen. Nach minnebedingtem Schweigen folgen Umarmung, Tränen und ein Kuss, der mit einer Tjost und mit Willehalm und Gyburg verglichen wird. Ein eingeschobener Rat betont die Bedeutung des Kusses. Auf dem Bett erzählen sie einander von ihrer Liebe: Der Knappe berichtet von Minnestricken und dem Blick der Dame als Ursache seiner Liebe; sie gesteht, seit dem ersten Blick unter der erzwungenen Trennung gelitten zu haben. Sie wünscht, die Nacht möge ewig dauern. Das Liebesspiel währt die ganze Nacht.
D Tagelied-Situation
Der Wächterruf unterbricht das Beisammensein. Die Dame will nicht glauben, dass es Tag sei, hält das Licht für Mondschein und kritisiert Frauen, die Wächtern vertrauen. Der Knappe bestätigt jedoch den Morgen: Luftzug, Vogelsang und die Freude der Kreatur seien untrügliche Zeichen. Die Dame klagt zu Gott, der Tag habe ihr alle Freude geraubt und sogar den Lauf der Planeten verändert. Vor dem Abschied versichert sie dem Knappen ewige Treue, empfiehlt ihn Gott und bittet ihn, St. Johannes als Bürgen für ihr Wiedersehen zu setzen.
E Epimythion
Ein Knappe solle sich daher nicht entmutigen lassen, sondern alles daransetzen, sich durch ritterliche Taten Liebe zu verdienen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 400f.)