Lob der Frauen I (B262a)
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Lob der Frauen I (B262a) (B262b) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab 1. Hälfte 15. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Fassung a:
Fassung b:
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| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Lob der Frauen I; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 402-404, 405f. |
Inhalt
A Exordialsentenz und Explikation
Alle Freuden, die Gott geschaffen hat, finden sich bei den Frauen. Der Sprecher verweist auf den Schöpfungsbericht: Gott habe Adam eine Frau zum freudenreichen Leben gegeben, und schon beim ersten Anblick habe die Natur Adam gelehrt, gut von Frauen zu sprechen. Jeder Mann solle diesem Beispiel folgen, Frauen mit Freude annehmen und ihnen in treuem Hoffen dienen. Es gebe nichts Größeres als die Liebe einer Frau; wer Frauen lobe, ehre zugleich Maria und Christus.
B Christus und die Ehebrecherin
Üble Nachrede über Frauen sei zu vermeiden; selbst wenn man Untreue kenne, solle man schweigen — augenzwinkernd begründet mit der Frage, wie es um die Männer stünde, wären alle Frauen beständig. Christus selbst habe im Beispiel der Ehebrecherin gezeigt, dass man Frauen nicht verleumden dürfe.
C Folgen des Übelredens
Wer schlecht über Frauen spreche, werde von Gott mit Kummer, Krankheit, Armut, Schande und täglicher Klage bestraft. Seine Seele falle dem Teufel anheim; weder Engel noch Maria würden ihm helfen. Ohne Frauen wäre die Welt ohne Hoffnung und Trost.
D Mutterschaft
Jeder solle bedenken, dass er im Leib einer Frau gewachsen, unter Todesgefahr geboren und von ihr genährt worden sei. Das biblische Gleichnis von Disteln und Feigen verdeutliche, dass der Mann sich selbst herabsetze, wenn er Frauen schmähe. Der Sprecher fragt, was sich einer denke, der Frauen verleumde.
E Schweigen
Alles, was Frauen verletzen könnte, solle man verschweigen und in hoffender Zurückhaltung bleiben. Wer so handle, habe Gottes und Marias Wohlwollen.
F Unbeständigkeit
Man solle Frauen nicht der Unbeständigkeit beschuldigen. Würde ein Mann so um Liebe gebeten wie Frauen, würde fast jeder schwach werden. Daher solle man schweigen, wenn eine Frau einem würdigen Mann Gewährung schenke. Stattdessen solle man die Orte ehren, an denen eine Frau gewesen sei, denn jede Not werde durch eine weibliche Umarmung getröstet.
G Beständigkeit
Ein Mann solle nicht aufgeben, bis er eine Frau gewonnen habe, in deren Lob er alle Frauen preisen könne. Er solle sie ehren und loben, aber nicht prahlen, und jedes Klaffen unterlassen.
H Schluss
Wer diesen Lehren folge, finde Trost und Freude. Glücklich sei, wer seine Zunge so beherrschen könne, dass er nie Übles über Frauen spreche. Abschließend bittet der Sprecher Gott, den Frauen alles Glück zu schenken.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 403f.)