Lob der Frauen (B277)
|
Lob der Frauen (B277) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab Mitte 15. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek: scrin. 102c, 30v-31v Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek: Cod. Helmst. 1203, 41v-44v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 434-436 |
Inhalt
A Exposition
Der Sprecher erklärt, dass er, könnte er eine grundlegende Ordnung der Welt errichten, der Frau das höchste und ewige Lob zusprechen würde.
B Notwendigkeit des Frauenlobs
Der Sprecher reiht zahlreiche, teils lose verbundene Gründe aneinander, warum Frauen zu loben und jede Schmähung zu vermeiden sei. Erstens: Von Frauen gehen Freude, Anstand und Ansehen aus; deshalb ist ihnen Dienst geschuldet. Zweitens: Nichts sei freudvoller als das gemeinsame Beilager von Mann und Frau; wer den anderen mehr liebt als sich selbst, entgeht der Hölle. Drittens: Die Frau sei ein Spiegel für ihren Mann. Viertens: Jeder Mensch sei unter Schmerzen von einer Frau geboren; wer Frauen schmäht, trifft auch seine eigene Mutter und damit sich selbst. Fünftens: Der Name „Frau“ sei besonders ehrenvoll, da Gott seine eigene Mutter so genannt habe; deshalb solle man überall nur Gutes über Frauen sagen. Sechstens: Frauen seien wie die Sonne, denn alle Menschen — auch die Mächtigen aller Stände — stammen von ihnen ab. Siebtens: Ein guter Baum mit süßen Früchten sei ein Bild für den Mann, der Frauen nichts Schlechtes wünscht. Achtens: Frauen sollen davon profitieren, dass Gottes Mutter ebenfalls eine Frau war. Neuntens: Frauen seien höher zu schätzen als alle kostbaren Edelsteine. Zehntens: Geschmückte Frauenkörper und ihre Worte seien freudenreicher als jede Musik. Elftens: In einer anaphorischen Reihe hebt der Sprecher die positiven Wirkungen der Frau hervor — Trost, Hochstimmung, Versöhnung, Hoffnung, tugendhafte Gedanken, Freude — und vergleicht sie mit blühenden Blumen und einem Spiegel der Unschuld. Zwölftens: Ein hyperbolisches Lob wird durch den Hinweis ergänzt, dass man Frauen niemals vollständig beschreiben könne. Dreizehntens: Wankelmütige Frauen möge Gott bekehren; Männer sollen dies aber nicht zum Anlass für Schelte nehmen, da sie damit alle Frauen träfen. Auch hier solle man Frauen zugutekommen lassen, dass Gottes Mutter eine Frau war.
C Schluss
Der Sprecher benennt sein Gedicht als „Erzählung der Frauen“ und als „Würdigkeit der Frauen“. Dazwischen bittet er Gott um Segen für sich und das Publikum, für Männer, die Frauen ehren, und schließlich für die Frauen selbst.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 434-436)