Die Unminne (Hermann von Sachsenheim) (B295)

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Die Unminne (B295); Vom Wesen der Minne II

AutorIn Hermann von Sachsenheim
Entstehungszeit Nach 1444
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 490r-496r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Vom Wesen der Minne II; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 458-461; Malm, Mike: Hermann von Sachsenheim

Inhalt

A Prolog

Nach einer Publikumsansprache reflektiert der Sprecher über die Jagd: Viele Jäger scherzten, ohne die Spuren des Hochwilds richtig zu lesen. Dieses Bild überträgt er auf die Dichtung: Man solle Gleichnisse verwenden, das Krumme gerade richten und nicht — wie ungeschickte Hunde — über das Ziel hinausschießen. Er beschreibt sein eigenes Dichten als kunstvoll verschlungen, um Ignoranten zu täuschen, und nennt Wolfram von Eschenbach und Hadamar von Laber als Vorbilder. In einem erneuten Bescheidenheitstopos vergleicht er sich mit einem ritterlichen Kämpfer, der zwar willig, aber erfolglos ist, und übergibt sein Werk Gott.

B Zeitklage und Ermahnung

Vom Lob der Minne führt er zum eigentlichen Thema: der noch mächtigeren „Unminne“. Er beschreibt sie in vielen Bereichen: in politischer Gewalt, im rücksichtslosen Spiel, in der gelehrten Verdrehung der Wahrheit, besonders im Klerus. Er ruft Papst und Kaiser auf, verschlagene Menschen und falsche Ratgeber zu bestrafen, aber auch Gnade zu üben. Es folgt eine Exempelreihe aus der Bibel, die zeigt, wie Unminne alle Stände erfasst. Nach einer Verdammung der Kaufleute fordert er, Unminne mit ihren eigenen Mitteln zu bekämpfen. Der Papst solle untreue und überhebliche Geistliche bestrafen; Kaiser und Fürsten sollten gegen Heiden, Betrüger und anmaßende Nichtadlige vorgehen. Gott und Maria würden schließlich die Guten von den Bösen trennen. Der Sprecher legitimiert seine Mahnung mit seinem Alter und ermahnt Jugend, Klerus und Adel zu tugendhaftem Verhalten. Er warnt vor Nachlässigkeit, kritisiert unstandesgemäße Jagdpraktiken und fordert die Fürsten auf, die höfische Kultur und den Minnesang wieder zu ehren. Besonders richtet er seine Warnung an einen „edlen Löwen“, den er mit Beispielen unterstützen will, den niederen Adel kleinzuhalten. Er fordert harte Strafen für Verbrecher, will Juden bekehren und warnt vor Untreue in allen gesellschaftlichen Bereichen.

C Widmung und Frauenpreis

Der Sprecher erklärt, er habe im Dienst einer edlen Dame gedichtet, die er nicht mit den Augen, aber im Herzen sehe. Nach weiteren Falknereibildern, die in eine Schelte der Spötter münden, preist er ein reines Frauenideal. Ob er eine konkrete Frau meint oder ein inneres Idealbild, bleibt offen. Sie sei für ihn Freudenort, Maieninsel und Herzenslandschaft.

D Schluss

Der Sprecher wendet sich an sein Publikum und bezeichnet sein nun „ausgesungenes“ Werk als Scherz, dessen Wert sich erst beim genauen Hinsehen zeige. Er verurteilt Unvernunft und warnt Frauen und Männer vor den Fallen untreuer Jäger. Nach einem Unsagbarkeitstopos widmet er sein Werk einer Frau und bittet als Lohn um eine Kerzenstiftung nach seinem Tod. Eine Vision von edlen Falken in den Engelschören führt zu einer Fürbitte an Maria und einer letzten Allegorie: Die Gemeinschaft der Menschen erscheint als Löwenjunge, die durch die Stimme des Löwen — die Passion Christi — zum Leben erweckt werden.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 459-461)