Spruchgedicht von der Minne (B305)

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Spruchgedicht von der Minne (B305)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1425
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 225vb-226vb
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Spruchgedicht von der Minne; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 477f.

Inhalt

Eigenschaften und Wirkungen der Minne

Die Spruchweisheiten beschreiben Minne als ambivalente Kraft: Sie bringt Leid, erzeugt Furcht vor Untreue und bleibt stets von Unsicherheit begleitet. Sie wirkt unberechenbar und kontingent. Männer und Frauen werden unterschiedlich verführt; Minne ähnelt einem Tanz, der Schwung und Risiko verbindet. Wahres Glück entsteht nur durch eine treue Frau. Die Bindung der Minne gilt als unverbrüchlich, fast wie ein Eid. Zugleich besitzt sie eine erzieherische Wirkung, indem sie zu Tugend anhält.

Falsches und richtiges Verhalten des Mannes in der Minne

Der Text kritisiert materialistische Motive und fordert Exklusivität der Liebe. Heuchelei wird ebenso getadelt wie die Schwäche berühmter Männer, die der Verführung erlagen. Gottgefällige Minne wird positiv hervorgehoben. Spott trifft den Mann, der sich als „Hahn im Korb“ aufspielt. Untreue und falsche Minne seien so verbreitet, dass kaum jemand sich ihrer noch schäme.

Wesen und Verhalten der Frauen

Frauen erscheinen in den Sprüchen zugleich als Quelle von Problemen und als Trägerinnen von Tugend. Es gibt respektlose Ehefrauen und Frauen, die sich grundsätzlich nicht bewachen lassen. Weiblichkeit wird als fremd und schwer durchschaubar dargestellt. Frauen wollen gebeten werden, um dann abzulehnen. Die reine Frau gilt als unantastbar; tugendhafte Frauen werden gelobt, Schönheit wird als Zeichen innerer Qualität gedeutet. Frauen können sowohl Ursache von Übel als auch von Freude sein. Der Verlust der Jungfräulichkeit gilt als schändlich, ebenso bestimmtes Fehlverhalten. Tugendhafte und lasterhafte Frauen teilen denselben Namen, was zu moralischer Verwirrung führt. Eine etymologische Deutung verbindet „Frau“ und „Freude“.

Gefährdungen der Minne und Störungen der Minneordnung

Die Sprüche benennen zahlreiche Risiken: mangelnde Wachsamkeit, Ehebruch des Mannes, unfreiwillige Keuschheit der Frau, Prostitution, räumliche Trennung und ungleiche moralische Maßstäbe für Männer und Frauen. „Unminne“ wird als Gegenkraft zur rechten Liebe beschrieben. Missgelaunte Männer gelten als schlechte Liebhaber. Untreue bringt Leid, das Alter erschwert Minnebeziehungen. Frauen werden teils stellvertretend für männliches Fehlverhalten kritisiert. Tugend könne nur durch die „drei Furchten“ geschützt werden.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 477f.)