Die beiden ungleichen Liebhaber (B324)
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Die beiden ungleichen Liebhaber (B324) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung 3. Viertel 13. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2705, 155va-155vb |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Die beiden ungleichen Liebhaber; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 499f. |
Inhalt
A Exposition (1–12)
Der Sprecher kündigt der Dame, die er direkt anspricht, eine Entscheidungsfrage an und fordert sie auf, klug zu wählen. Er preist sie als edel und wohlhabend und hebt hervor, dass sie keinem Mann untersteht und frei nach ihrem eigenen Willen leben kann.
B Minnekasus: Wahl zwischen zwei Liebhabern (13–66)
Die Dame soll sich zwischen zwei möglichen Liebhabern entscheiden, die der Sprecher in jeweils gleich langer, aber inhaltlich deutlich wertender Darstellung beschreibt:
- Der Adlige und Reiche (15–36)
Er ist wohlgekleidet und von hohem Stand, doch seine Liebe sei nicht aufrichtig. Wie „alle Herren“ könne er sich leicht anderen Frauen zuwenden. Zwei Sprichwörter verurteilen sein Verhalten: Wer viele liebt, liebt nicht recht; und wer einem Dieb Beute verschafft, wird nie satt. Sein Reichtum und seine vielen Boten verschaffen ihm alles, was er will – doch er achte nur auf Besitz, nicht auf Gesinnung.
- Der junge, mittellose Mann (37–58)
Er liebt von Herzen und ist dem Guten verpflichtet. Das Tageslicht, in dem er die Dame sehen kann, sei sein größter Reichtum. In Gedanken folge er ihr überallhin und habe sich ihr ganz und ausschließlich verschrieben. Nach Gott wolle er zuerst ihr dienen.
- In einer Zusammenfassung fordert der Sprecher die Dame auf, zwischen dem aufrichtig Liebenden und dem reichen Mann zu wählen – zwischen dem, „der sie mit Treue meint“, und dem, der nur Besitz bietet.
C Schluss (67–80)
Der Sprecher beklagt resigniert, dass ein höfischer, wahrhaft liebender Mann ohne Besitz heute kaum Aussicht auf Erfolg habe.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 500)