Frau Minne warnt vor Hochmut (B334)
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Frau Minne warnt vor Hochmut (B334) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung um 1510 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 5919, 202r-205r |
| Ausgaben | Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 166-170 |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Frau Minne warnt vor Hochmut; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 509f. |
Inhalt
A Spaziergangseinleitung (1–65)
Der Sprecher schildert die Kraft des Maien, die Ritter und höfische Damen gleichermaßen zu Geselligkeit und Freude anregt – dort entstehe die Macht der Liebe und die Hochstimmung, die Venus verleihe. Er selbst habe solche Freude und auch Liebesleid nur selten erfahren. Auf einem Ausritt gelangt er zunächst zu einer fröhlichen Gesellschaft, wird dort aber nicht beachtet und reitet weiter zu einem locus amoenus mit Vogelgesang, Quelle und Wald. Dort entdeckt er einen Thron, nähert sich leise und sieht eine königlich schöne Dame: Mund, Wangen, Gesicht, Augen und langes blondes Lockenhaar werden ausführlich beschrieben. Vor ihr kniet ein junger Mann.
B Belauschtes Gespräch (66–123)
Die Dame fragt den jungen Mann nach seinem Anliegen. Er klagt, eine ihrer Untergebenen habe ihm seine Freude genommen – er liebe sie, glaube aber, sie habe ihn vergessen. Die Dame tadelt sein Pedünken, seine Einbildung: Viele seien durch falsche Vorstellungen betrogen worden. Eine Dame könne einen Mann aus Angst vor Beobachtung meiden, ohne ihn zu vergessen. Wenn er aber glaube, sie beachte ihn nicht mehr, beraube er sich selbst aller Freude – selbst großer Reichtum helfe dann nicht. Zugleich könne Einbildung auch positive Wirkungen haben. Der junge Mann nimmt seine Klage zurück und will künftig „besser denken“. Die Dame entlässt ihn mit der Lehre, hoffnungsvoll zu dienen und sich nicht durch bloße Einbildungen irremachen zu lassen – denn sie könnten sowohl nützen als auch schaden. Alles hänge vom pedüncken ab.
C Schluss (124–132)
Der Sprecher hält es für richtig, ebenfalls zu gehen. Er kehrt zu seinem Pferd zurück und reitet davon. Wie es dem jungen Mann weiter ergeht, will er nicht verfolgen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 509f.)