Verschwiegene Liebe (B335)

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Verschwiegene Liebe (B335)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1460/1466
Entstehungsort Augsburger/Nürnberger Raum
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 25r-28v
Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 153r-156v
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 270, 144v-147hv
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 713, 94v-99v
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum: Hs. 5339a, 289r-293v
Prag, Knihovna Národniho muzea: Cod. X A 12, 18r-21r
Werningerode, Fürstlich Stolbergische Bibliothek: Cod. Zb 4m, 245r-249r (verschollen)
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Verschwiegene Liebe; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 510-512

Inhalt

A Treffen mit einer Dame (1–7)

Der Sprecher sucht Zerstreuung und besucht eine adlige Dame. Sie empfängt ihn freundlich, bittet ihn, Platz zu nehmen, und erkundigt sich nach dem „Lauf der Welt“.

B Gespräch über Werbung, Verschwiegenheit und männliche Unbeständigkeit (8–200)

Der Sprecher antwortet zunächst ausweichend („es geht auf und ab“), erkennt die Dame dann als Bekannte und fragt, ob sie sein Anliegen kenne. Sie verneint und bittet um Schonung ihrer Ehre. Daraufhin wirft er ihr vor, sie habe einen tapferen Werber zu lange hingehalten, bevor sie seinen Dienst annahm. Die Dame wundert sich über diese Gerüchte und erklärt, er kenne offenbar nicht alle Gründe. Sie führt aus, dass Männer heimliche Liebschaften schnell ausplauderten – aus Freude, Prahlerei oder Eitelkeit. Selbst wenn an der Liebe nichts Schlechtes sei, würden böswillige Menschen daraus Lügen formen. Deshalb müsse eine Frau vorsichtig sein und prüfen, ob sich unter den Werbern „falsche Münze“ befinde. Der Sprecher hält dagegen, es sei eine schlechte Eigenschaft der Frauen, den Dienst zu genießen, ohne eine klare Zusage zu machen. Das erzeuge Gerede und könne falsch ausgelegt werden; besonders bei einem „Biderman“ solle man rasch legitimieren. Die Dame erwidert, sie würde das gern tun, wenn sie sich der moralischen Qualitäten eines Mannes sicher sein könnte. In Wahrheit redeten Männer das ganze Jahr über von Frauen, verrieten einander die Namen ihrer Geliebten und seien oft unersättlich – manche führten drei Liebschaften gleichzeitig. Ironisch lobt sie diesen angeblichen „Ehrgeiz“. Eine Frau solle stattdessen den verschwiegenen, untadeligen Mann höher schätzen als einen Kaiser. Sie selbst habe einen solchen gefunden; hätte sie seine Tugend früher erkannt, wäre sie zugänglicher gewesen. Nun aber sei sie überzeugt und „gebe sich geschlagen“. Sie rät allen Frauen, sorgfältig zu wählen, zehn Ungeeignete beiseitezulassen und den Mann zu nehmen, der „halten und lassen“ könne – also beständig sei. Ihre Liebe zu ihrem Geliebten solle fester sein als eine Ehe; Gott möge sie in Glück darin bestehen lassen. Der Sprecher stimmt ihr zu, bittet um Verzeihung für seine anfängliche Schelte, und die Dame vergibt ihm. Er erbittet einen Handschlag, dankt für die Belehrung über weibliche Ehre, empfiehlt sie Gott und geht.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 511f.)