Die Beichte der Venus (B341)

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Die Beichte der Venus (B341)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung Ende 14. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Den Haag, Königliche Bibliothek: Cod. 128 E 2, 33va-35ra
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 527f.

Inhalt

A Die kranke Frau Venus (1–38)

Frau Venus ist krank und schickt einen Knappen, um einen Priester zu holen, da sie beichten möchte. Der Priester kommt, segnet sie beim Eintreten und untersucht sie. Er stellt fest, dass sie nicht lebensbedrohlich erkrankt ist, will ihr aber dennoch die Beichte abnehmen, um sie vor dem Höllenfeuer zu bewahren.

B Beichtgespräch (39–188)

Frau Venus gesteht eine Reihe schwerer „Sünden“, die allegorisch die Wirkungen der Minne darstellen:

  1. Raub: Sie habe vielen Damen das Leben „geraubt“, weil sie ungleiche Liebe empfanden. Wie die reine Luft sich nicht mit den anderen Elementen mische, könne auch ein Mensch keinen Liebenden anderer „Natur“ lieben.
  2. Diebstahl: Sie habe die Herzen der Liebenden gestohlen und den Geliebten gegeben – im Austausch dafür aber Hoffnung und Verzweiflung, Schlaflosigkeit und Unruhe verursacht.
  3. Brandstiftung: Wer ihr abschwor oder den Schmerz der Liebe nicht akzeptieren wollte, den habe sie „entzündet“, sodass er stärker litt, als wenn er sich rechtzeitig der Liebe ergeben hätte.
  4. Mord: Sie habe Menschen so sehr in die Liebe verstrickt, dass sie ihre Sinne verloren und lieber in Turnieren ihr Leben riskierten, als ohne Liebe zu leben.
  5. Verrat: Sie habe jene verraten, die materielle Güter der Minne vorzogen, und jene, die glaubten, ungleiche Liebhaber vereinen zu können. Sie habe bewirkt, dass Frauen unpassende Männer heirateten und treue Liebhaber anderen den Vorzug gäben.

Der Priester nennt sie eine Verbrecherin, versichert aber, dass Gottes Gnade ihr vergeben werde, wenn sie sich bessere.

C Epilog (189–214)

Der Sprecher erklärt, diese Beichte solle zeigen, was Liebe sei und warum sie „krank“ sei: Es gebe zu viel treulose Liebe, die die rechte Liebe beschmutze. Treulose Liebende erkenne man daran, dass sie Worte über Taten stellten und mit ihren Liebesgeschichten prahlten. Ein Weiser verberge die Liebe – nur ein Tor rede darüber.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 527f.)