Der alte und der junge Ritter (B345)

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Der alte und der junge Ritter (B345)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab Ende 14. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Brüssel, Koninklijke Bibliotheek: 15589-623, 35ra-36rb
Den Haag, Koninklijke Bibliotheek 's-Gravenhage: Cod. 128 E 2, 37rb-38va
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Der alte und der junge Ritter; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 533f.

Inhalt

A Szene mit Dame, einem Jungen und einem Alten (1–112)

Der Sprecher beobachtet eine adlige, wunderschöne Frau in einem Zimmer. Sie trägt kostbare Kleidung und eine Krone; ihre Gestalt ist vollkommen. Neben ihr sitzt ein junger, hochmütiger Mann, reich gekleidet, gepflegt und eitel. Ein alter Mann tritt ein: graues Haar, abgetragene Kleidung, Wunden im Gesicht, er stützt sich auf eine Krücke. Der junge Mann verspottet ihn. Die Frau reagiert empört, geht zum Alten, begrüßt ihn herzlich, nimmt ihn am Arm, lässt ihm Wein bringen und setzt ihn auf einen Ehrenplatz. Der Alte zieht sie jedoch zu sich hinauf, sodass sie auf gleicher Höhe sitzen. Der junge Mann wird wütend. Die Frau spricht freundlich mit dem Alten, hält seine Hände in ihrem Schoß und schenkt ihm Kleinodien aus einem Kästchen. Der junge Mann verlässt zornig den Raum. Die Frau bleibt beim Alten, bis er müde wird, und lässt ihn von einem Knappen an einen angenehmen Ort bringen, wo sie ihn selbst zudeckt.

B Dialog zwischen dem Jungen und der Dame (112–189)

Nachdem der Alte ruht, kehrt die Frau zurück. Der junge Mann kommt ebenfalls wieder und verspottet erneut das Alter und die Armut des Alten. Die Frau widerspricht: Gute Damen müssten einem solchen Mann Ehre erweisen. Er habe große Verdienste im Kampf erworben und sich oft mannhaft bewährt. Der junge Mann antwortet spöttisch, es passe ja gut, dass schöne Frauen bei einem so „wohlgeformten“ Alten säßen. Die Frau hält dagegen: Der junge Mann solle sich den Alten zum Vorbild nehmen. Dieser habe um der Ehre willen Besitz und Schönheit verloren. Auch wenn er nicht tanzen oder kaum gehen könne, verdiene er Verehrung. Viele Tänzer hielten sich für hervorragend, aber wahre Kühnheit sei zu loben, nicht Tanzkunst. Der junge Mann meint, vergangene Taten verdienten kein Lob mehr. Die Frau widerspricht entschieden: Wenn man vergangene Taten vergesse, seien die Opfer des Alten umsonst gewesen. Deshalb solle man ihn bevorzugen. Der junge Mann geht verärgert davon; die Frau verabschiedet sich ebenfalls.

C Schlusskommentar (190–206)

Der Sprecher kommentiert: Wenn alle Frauen so dächten, würde das die „Waffen“ – also Rittertum und Tapferkeit – sehr fördern. Es gebe viele unwürdige Männer, die dennoch von Frauen geliebt würden, nur weil sie tanzen könnten oder reich seien. So erlangten viele heute die Minne, aber darüber wolle er schweigen. Wer diese Rede nicht gern höre, solle verachtet werden.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 533f.)