Fragespiel aus dem Roman van Limborch (B347)

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Fragespiel aus dem Roman van Limborch (B347)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung Ende 1430-1450
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Den Haag, Königliche Bibliothek: Cod. 75 H 57, 54-66
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 538f.

Inhalt

A Einführung des Königsspiels (1–59)

Im sommerlichen Garten, während Bäume grünen, Blumen blühen und Nachtigall und Galander singen, versammelt sich eine Gruppe junger Leute in einer Laube, um ungestört festlich beisammen zu sein. Die Jungfrauen setzen sich und bitten die jungen Männer, sich jeweils neben jene zu setzen, die ihnen Reue und Leid vertreiben könne. Ein junger Mann bemerkt, dass eine Dame schon lange leidet, und versucht herauszufinden, ob er der Grund sei. Er schlägt ein Spiel vor: Man sammle blaue und grüne Blumen, jeder ziehe eine Handvoll, und die Partei mit den meisten blauen Blumen dürfe zuerst fragen. Die jungen Männer gewinnen das Fragerecht, und der junge Mann richtet seine Frage an die Frau, die er liebt.

B Fünf Fragen über Liebe (60–237)

1. Erste Frage (60–105): Der junge Mann fragt eine Dame, ob sie im Garten einen Baum sehe, der Sommer wie Winter grün sei. Sie wählt die Pinie, den „Baum des Schmerzes“: Sie sei so hoch, dass sie trotz Leitern und „Seilen aus Herz, Seufzern und Worten“ keine Zweige erreichen könne. Sie habe die Hoffnung verloren. Der junge Mann erwidert, Hoffnung überwinde vieles; hätte er ihr Leiden gekannt, hätte er ihr gezeigt, wie sie Zweige pflücken könne. Geselligkeit helfe gegen Leid.

2. Zweite Frage (106–133): Ein anderer junger Mann fragt, wie er erreichen könne, dass seine Geliebte sich nach ihm sehne. Die Dame antwortet: höfisch und dienstbereit sein, beim Weggehen Bescheid geben, bei der Rückkehr schöne Geschichten erzählen – Frauen liebten Freude und Fröhlichkeit.

3. Dritte Frage (134–165): Ein dritter junger Mann fragt, ob getrennte Liebende ihre Liebe bewahren könnten. Die Dame bejaht: Liebe bleibe bestehen, wie bei Odysseus und Penelope oder bei den Liebenden des Trojanischen Krieges. Entfernung zerstöre die Liebe nicht.

4. Vierte Frage (166–225): Ein vierter junger Mann erzählt die Geschichte von drei Rittern, die dieselbe Dame lieben und von ihr je einen seidenen Ärmel erhalten. Als sie wissen wollen, wen sie erwählt habe, gibt sie jedem ein anderes Zeichen: Fuß, Hand, Augen. Die befragte Dame deutet: Die Augen seien trügerisch, die Füße gering; die Hand aber lege man auf das, was man achte – also sei das Handzeichen das wahre Liebeszeichen.

5. Fünfte Frage (226–237): Ein fünfter junger Mann fragt, woran man die Zeichen treuer Liebe erkenne. Die Dame antwortet: Liebende würden bei einer Begegnung zuerst bleich und senkten die Augen. Der Text bricht mitten im Satz ab.