Adam und Eva (B349)
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Adam und Eva (B349) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Zweite Hälfte 14. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Innsbruck, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum: 32001, 24va-25rb Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 196rb-197va Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. K 408, 1vb-3ra Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2885, 36rb-37vb |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Adam und Eva; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 542-544; Waltenberger, Michael: Vorsehung und Hinterlist, S. 330. |
Inhalt
A Predigt (1–125)
Nach einem lateinischen Bibelzitat (Gen 1,1) und einer carissimi-Anrede bittet der Sprecher die Zuhörer um ein Vaterunser und ein Ave Maria für das Gelingen seiner Predigt. Er gibt eine zusammenhängende Darstellung der Schöpfung: die vier Elemente, die Engel, Luzifers Fall, die Erschaffung Adams, die Erschaffung Evas aus der Rippe, das Gebot des Zusammenbleibens und der Vermehrung. Adam habe sich sofort „minnegerecht“ verhalten, Eva liebevoll angesprochen und auf ihre Scham gezeigt. Der Sprecher deutet Gen 2,24 so, als lobe Adam dieses Körperteil. Es folgt eine Rechtfertigung der körperlichen Minne: Adams einzige Sünde sei der Apfel gewesen, nicht die Minne. Paulus (1 Kor 7,9) wird so ausgelegt, dass Minne besser sei als „vor Minne zu brennen“. Eine angebliche Glossa erklärt, eine Frau solle dem Mann gewähren, was er begehre, wenn sie vor Liebe den Verstand verliere. Der Sprecher fordert die Frauen auf, nicht auf mönchische Verbote zu hören, sondern auf gelehrte Laien. Körperliche Liebe unter Laien sei keine Sünde. Jes 4,1 wird zitiert. Er warnt partnerlose Frauen, sie könnten ohne Mann bleiben, und fordert zum Kniefall auf.
B Exemplarische Minne-Beichte (126–163)
In direkter Rede wird ein Beichtformular vorgegeben: Die Frau bekennt, Männer bisher abgewiesen zu haben – Kussbitten verweigert, Liebesleid ignoriert, liebevolle Blicke vermieden, Berührungen an Oberschenkel und Brust verweigert, Undank und Wankelmut gezeigt zu haben. Sie bereut und gelobt, künftig allen Bitten der Männer nachzukommen.
C Absolution (164–187)
Der Sprecher erteilt die Absolution, fordert erneut zum Kniefall auf und bittet um göttliches Erbarmen, Rückführung ins Paradies und auf den Himmelsthron. Er fordert die Zuhörer zur gemeinsamen Bestätigung („Amen“) auf und verspricht 30 Jahre Ablass für jene, die ihre Sünden büßen wollen. Nach einem Segenswunsch bittet er Gott, eine ungenannte Frau ihm gewogen zu machen, damit sie seine anständig vorgebrachten Wünsche erfülle. Er schließt mit der Bitte um Erlass aller Sünden und einem Amen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 543f.)