Der schwierige Brief (B355)

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Der schwierige Brief (B355)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1464-1467
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Ludwigsburg, Staatsarchiv: B 509 Bü 2 G, 1r-2v
Nelahozeves, Fürstlich Lobdowitzische Bibliothek: R VI Fc 26, S. 483-487
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Der schwierige Brief; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 555-557

Inhalt

A Eingangsszene (1–35)

Nach der Rückkehr von der Messe findet der Sprecher in einer abgelegenen Kammer seines Hauses eine Dame sitzen. Er verbirgt sich neben der Tür und beobachtet, wie sie zweimal ansetzt, Briefe zu schreiben, diese aber jedes Mal unvollendet zerreißt. Als er aus seinem Versteck tritt, um ihr ungefragt einen Rat zu geben, erschrickt sie und springt auf.

B Gespräch (36–201)

Der Sprecher begrüßt die Dame und fragt nach dem Grund für das Zerreißen der Briefe. Sie nimmt ihn bei der Hand, bittet ihn, sich zu setzen, und erklärt, sie habe nicht schreiben können, wie sie es sich vorgenommen habe. Auf seine Nachfrage, ob es um ein Lied oder um eine Angelegenheit mit einem jungen Mann gehe, gesteht sie, von einem schönen Jüngling getäuscht worden zu sein, dem sie völlig vertraut habe und dessen Untreue sie nun erfahren habe. Sie bittet um Rat, wie sie sich würdevoll von ihm lösen könne. Der Sprecher vermutet, jemand habe sie gegen den jungen Mann aufgehetzt, und rät zu Vorsicht gegenüber übler Nachrede. Die Dame lacht und sagt, er sei gerade rechtzeitig gekommen, denn sie hätte sich beim Schreiben beinahe vergessen. Sie wolle nun seinem Rat folgen. Sie wisse schon seit Monaten Bescheid, habe aber geschwiegen. Es folgt eine ausführliche Unterweisung: Sie solle Haltung bewahren, den äußeren Schein wahren, den Mann aber innerlich aufgeben. Man müsse im Leid scherzen und im Glück Zurückhaltung zeigen; man solle sich nach den Umständen richten. Bewahre sie ihre Treue, werde sie keine Schmach erleiden, sondern Ansehen gewinnen. Beschimpfungen solle sie vermeiden, um keinen Streit zu provozieren. Wenn sie dennoch einen Brief schreiben müsse, solle sie zunächst ihre Ergebenheit versichern, dann seine Untreue benennen und schließlich die Trennung erklären. Werben solle sie ihn nicht mehr lassen und keinen weiteren Brief verfassen. Die Dame zeigt sich zufrieden mit seinen Worten und nennt ein Sprichwort über den Schutz der eigenen Ehre. Sie wiederholt ihren Ärger über den Geliebten und fügt einen schwer deutbaren Vergleich an. Der Sprecher bittet erneut, seinen Rat zu befolgen. Die Dame vertraut seiner Aufrichtigkeit und beschließt, dem jungen Mann nur mitzuteilen, dass sie sich geirrt habe. Dann bittet sie den Sprecher, sich um das Essen zu kümmern.

C Schluss (202–204)

Der Sprecher folgt ihrer Bitte und verlässt das Zimmer. Nachdem sie den Brief beendet hat, kommt sie zu ihm nach.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 556.)