Bergfried der Minne (B358)
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Bergfried der Minne (B358) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Vor Mitte 14. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Bayerische Staatsbibliothek: Mgq 284, 61vb-63va Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2940*, 37r-41r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Bergfried der Minne; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 562-564 |
Inhalt
A Exposition (1–18)
Zur Maienzeit liegt der Sprecher an einem Abhang und erfreut sich an der Fülle der Natur: Vogelgesang, Wald, Sonne, Blumen, Berge und der Fluss, an dessen Ufer er sich später niederlässt.
B Minneklage und Preis der Geliebten (19–90)
Ein Gefühl der Beklemmung überkommt ihn, und er denkt an seine Geliebte, deren innere und äußere Vorzüge sein Herz gewonnen haben. Auf Anraten der Minne bzw. Frau Venus erklärt er sich zu ihrem dauerhaften Diener und Leibeigenen. Aus ihr strömten alle Tugenden, sie sei ein Schutzwall gegen Schande und Untugend, von Ehre umgeben. Wer ihre Zuneigung empfange, könne sich glücklich schätzen. Ihr Joch bedrücke ihn, doch ein einziger freundlicher Blick bringe ihm zugleich Freude und Leid.
C Architekturallegorie (91–232)
Gewähre sie ihm ihre Gunst, wolle er ein Haus errichten, das vor Untreue, Neid und den Winden des Zweifels schütze. Es solle auf vier Säulen stehen, die er nacheinander entfaltet und jeweils auf die rechte Minne bezieht:
- Heimlichkeit (105–128): Ohne Verschwiegenheit sei keine beständige Liebe möglich. Verborgene Minne bringe zwar Kummer, doch auch größeren Lohn. Denken und Schweigen führten oft zu Freude.
- Ehrlichkeit (129–164): Wahrheit sei besonders bei Männern gefährdet; Lügen holten sie ein und schadeten ihrem Ansehen. Der Sprecher betont, dass ihm Gegenliebe wertvoller sei als jede kaiserliche Gabe und dass er der Wahrheit verpflichtet bleibe.
- Treue (165–196): Treue sei die höchste Tugend. Sprachlich hervorgehoben wird ihr Wert durch wiederholte, parallele Formulierungen. Männer, die nur neue Treue pflegten, verlören die Gunst der Frauen. Der Sprecher wünscht, Gott möge solche Minnefeinde bestrafen.
- Beständigkeit (197–232): Unermüdliche Ausdauer, Hoffnung bis zum Tod, sei eine hohe Kunst. Sie könne Frauen so sehr verpflichten, dass sie selbst zu Dienenden würden. Sie stehe im völligen Gegensatz zu Wankelmut und unlauterem Werben.
D Schluss (233–276)
Der Schluss gliedert sich dreifach: Zunächst werden die vier Tugenden wiederholt und Frauen wie Männern ans Herz gelegt, damit ihr Liebeshaus fest gegründet sei. Dann folgt eine Mahnung vor männlichem Wankelmut, verbunden mit dem Versprechen höchster Belohnung durch Gemeinschaft, Liebe und weibliche Gunst. Schließlich wendet sich der Sprecher erneut an das Publikum, nennt den Titel des Spruchs und verschweigt seinen Namen, den man daran erkennen könne, dass er gerne reine Frauen lobe.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 563)