Das nackte Bild (Elbelin von Eselsberg) (B359)

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Das nackte Bild (B359)

AutorIn Elbelin von Eselsberg (Elblin)
Entstehungszeit Überlieferung ab 1467
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 439v-448v
München, Staatsbibliothek: Cgm 5919, 415r-424v
Nelahozeves, Lobkowitzsche Bibliothek: Cod. VI Fc 26, S. 463-482
Prag, Nationalmuseum: Cod. X A 12, 196r-204v
Stuttgart, Landesbibliothek: Cod. poet. et phil. 4° 69, 228r-238v
Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Cod. Quart 56664r-68v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Malm, Mike: Elblin von Eselsberg; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 564-567

Inhalt

A Spaziergangseinleitung (1–64)

Eines Morgens hört der Sprecher, noch in Gedanken versunken, den Wettstreit der Vögel: Galander, Lerche und Nachtigall überbieten einander, bis die Nachtigall mit kunstvollen Tonfolgen siegt. Daraus erkennt er das Kommen des Mai und bricht sofort zu einem Spaziergang auf. Über eine breite Straße gelangt er zu einer Aue, wo er prachtvoll gekleideten Damen begegnet. Ihre Schönheit übersteige jede Beschreibung. Besonders beeindruckt ihn ein Bild auf dem Mantel einer Dame: eine gekrönte, völlig nackte Gestalt, von hinten dargestellt. Zunächst wagt er nicht, nach der Bedeutung zu fragen, doch seine Neugier zwingt ihn später dazu.

B Gesprächsbeginn (65–145)

Der Sprecher bittet die Dame um die Deutung des Bildes. Sie stimmt zu, verlangt jedoch eine Gegenleistung. Nachdem er ihr diese zusichert, erklärt sie, die Figur stelle die Liebe dar, deren Wesen ihr jedoch so unbekannt sei, dass sie sie nur von hinten zeigen könne. Auf seine Frage nach der Nacktheit antwortet sie, dass die Liebe zwar benannt, aber nicht wirklich erkannt sei. Dann erinnert sie ihn an sein Versprechen. Er erklärt sich bereit, Dienst mit Dienst zu vergelten. Die Dame fordert nun eine Minnelehre: Er solle das Bild „umdrehen“ und mit Worten ausstatten, indem er erkläre, was Liebe sei, woher sie komme und ob sie tugendhaften Frauen nütze oder schade. Der Sprecher beruft sich auf sein Buchwissen.

C Erste Lehre: Die drei Arten der Liebe (146–217)

Der Sprecher erläutert drei Formen der Liebe: die erste ist spontane Zuneigung, die zweite wächst im beständigen Dienst, die dritte ist vollkommene Liebe, die Leid und Schande ausschließt und die Ehre der Frau wahrt. In einem Wortgleichnis fasst er das Wesen der Liebe zusammen und betont seine Rolle als Lehrender und Dichter. So habe er das Bild der Dame nun „umgedreht“ und beginne, es zu bekleiden.

D Zweite Lehre: Wesen und Herkunft der Liebe (218–353)

Der Sprecher erklärt die Entstehung der Liebe als naturgegeben: Wie Hunger und Durst ihre Erfüllung haben, so suche auch körperliches Verlangen seine Befriedigung. Die Dame fragt, wie aus Lust Liebe entstehen könne und wie man die richtige Person erkenne. Der Sprecher verweist auf die Lehre von den vier Elementen, deren Mischung die natürliche Neigung bestimme. Auf die Frage, wie sehr ungleiche Menschen einander lieben können, antwortet er mit einer Lehre, die Isidor zugeschrieben wird: Erziehung, Schönheit, Herkunft und Reichtum könnten die natürliche Anlage überformen. Der Mensch habe daher eine doppelte Wahl – eine durch die Natur, eine durch die Vernunft.

E Dritte Lehre: Sollen Frauen lieben oder nicht? (354–538)

Der Sprecher meint, beides könne richtig sein. Er unterscheidet zwischen Liebe und Minne, wobei Minne als gefährliches Begehren erscheint. Mit Beispielen aus dem Alten Testament zeigt er, wie zerstörerisch sie wirken könne: die Vergewaltigung Thamars, Davids Schuld, Salomons Abgötterei, Samsons Untergang. Ein Salamander-Gleichnis verdeutlicht, wie unkeusche Minne den Ruf einer Frau verderben könne. Er mahnt zur Bewahrung von Würde und Reinheit.

F Schluss (539–548)

Der Sprecher bittet die Dame und die anderen Frauen um Verzeihung, falls er unklar gesprochen habe, und entschuldigt sich in einem Bescheidenheitstopos für seine unvollkommenen Worte. Zum Schluss nennt er sich Elbelin von Eselsberg und beendet den Text mit einem Amen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 565-567)