Das Vergissmeinnein (B366)

Aus Brevitas Wiki
Version vom 13. Februar 2026, 20:56 Uhr von Silvan Wagner (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Vergissmeinnein (B366)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung 2. Hälfte 15. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung London, British Library: Add. 24946, 53r-55r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 576f.

Inhalt

A Spaziergangseinleitung (1–69)

Im Mai gelangt der Sprecher auf eine Wiese in einem tiefen Tal, wo zahlreiche Blumen blühen. Zwei ziehen seine besondere Aufmerksamkeit auf sich: eine niedergebogene Blume mit einem perlengleichen Tautropfen und eine blaue Blume mit gelber Dolde, deren Glanz er mit Edelsteinen vergleicht. Er pflückt die blaue Blume und beschließt, jemanden zu suchen, der ihren Namen kennt. Ein schmaler, von Veilchen und Gras gesäumter Weg führt ihn zu einer Hecke und einem dahinterliegenden Garten voller blühender Bäume und singender Vögel. Durch eine Tür tritt er ein.

B Gespräch im Garten (70–144)

Der Sprecher entdeckt eine schöne Dame und versteckt sich zunächst hinter einem Baum. Sie bemerkt ihn, begrüßt ihn und fragt nach seinem Anliegen. Er kniet nieder und legt den Hut ab. Nachdem sie erneut fragt und ihre Freude über seinen Besuch äußert, bittet er um Auskunft über Namen und Wirkung der Blume. Sie zieht ihn an der Hand zu sich herab; er steht kurz wieder auf, setzt sich dann aber auf ihre Bitte hin. Die Dame erklärt, die Blume heiße Vergissmeinnicht und habe eine doppelte Wirkung: Sie bringe Liebenden sowohl Schmerz der Sehnsucht als auch Freude und Hoffnung. Jede Liebesdichtung sei von ihr abhängig. Der Sprecher dankt und will aufbrechen. Die Dame versucht, ihn zum Bleiben zu bewegen. Er verweist auf die Zeit, doch sie hält ihn fest und gibt ihm eine kurze Liebeslehre: Er solle seine Freude entschlossen suchen, an die Kraft der Wiederkehr denken, beständig bleiben, gut von Frauen sprechen, verschwiegen sein und nicht zu leicht vertrauen. Er verspricht, sich daran zu halten.

C Abschied (145–166)

Die Dame begleitet ihn zur Gartentür. Der Sprecher zögert kurz, doch sie versichert, allein zurechtzukommen, empfiehlt ihn Gott und nennt ihn liebevoll ihren Hort. Sie bittet ihn, das Blümchen im Garten seines Herzens und in dessen Umfriedung einzupflanzen. Er verspricht es und geht.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 576f.)