Von den Buchstaben (B368)

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Von den Buchstaben (B368)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1433
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen77, 328-330
Karlsruhe, Landesbibliothek: Cod. Donaueschingen 104, 77vb-78va
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Von den Buchstaben; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 579-581

Inhalt

A Einleitung (1–24)

Nach einer kurzen Sentenz über Menschen, die nachfragen, wenn sie etwas nicht selbst herausfinden können, schildert der Sprecher einen Maiengang mit Knospen und Vogelgesang. Er belauscht eine Gruppe fröhlicher, tugendhafter Damen.

B Belauschtes Gespräch (25–49)

Die Damen sprechen über verschiedene Themen: Liebes- und Jahreszeitendichtung, die Hochstimmung durch Wein und Liebe, Freude am materiellen Gewinn, Abneigung gegen Freudlosigkeit, das Missverhältnis zwischen geringem Dienst und großem Lohn, die Abkehr der Liebe von der Tugend hin zum Besitz, die leichte Erreichbarkeit weiblicher Gunst und die Unausweichlichkeit von Mühe. Ausführlicher diskutieren sie Mode: einige bevorzugen taillierte neue Schnitte, andere lange, altmodische Mäntel.

C Selbstentdeckung und Gespräch (50–80)

Der Sprecher tritt aus seinem Versteck hervor. Auf Nachfrage erklärt er, der Maienlust wegen hier zu sein. Die Damen fragen, ob er – da er ihr Gespräch gehört habe – zustimme, dass die Welt wunderlich sei. Er bejaht und bittet um Auskunft über die Buchstaben, die viele Männer auf ihren Kleidern tragen. Die Damen halten diese Zeichen für Täuschung und öffentliche Angeberei, wollen ihm aber dennoch eine Deutung geben.

D Erklärung des ABC (81–136)

Die Damen erläutern, welche Eigenschaften Männer durch das Tragen bestimmter Buchstaben signalisieren. Die 23 Buchstaben des Alphabets werden mit Schimpfnamen, Spottbezeichnungen oder moralischen Defiziten verbunden: Albernheit und Torheit (A, B, E, N), Unbeständigkeit und Disziplinlosigkeit (T, G, L), Betrug und Täuschung (D, K, I, F) sowie üble Nachrede und böswilliges Reden (C, H, M, P, R, S, Z). Die Damen betonen die Wahrheit ihrer Auslegung, mahnen aber zugleich zu Toleranz und weisen darauf hin, dass offene Wahrheiten nicht immer willkommen sind.

E Schluss (137–144)

Der Sprecher verabschiedet sich und kehrt an seinen Ausgangsort zurück, überzeugt, durch die Lehre der Damen künftig vor Schaden geschützt zu sein. Der Text endet mit einem Trinkspruch.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 580f.)