Die Frauenburg (Augustijnken van Dordt) (B369)
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Die Frauenburg (B369) | |
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| AutorIn | Augustijnken van Dordt |
| Entstehungszeit | 2. Hälfte 14. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Brüssel, KBR: 15589-623, 51vb-52vb; Den Haag, Königliche Bibliothek: Cod. 128 E 2, 59vb-61ra |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 581-583 |
Inhalt
A Prolog (1–8)
Wohlgefühl sei nur dann gut, erklärt der Sprecher, wenn es nicht aus schlechten Gedanken entstehe. Freude, die auf Sünde beruhe, könne er nicht loben.
B Beschreibung der Burg (9–67)
Der Sprecher berichtet von einem ehrenvollen Vergnügen: Er habe eine Burg gesehen, reich an Freude und so kunstvoll, dass nur ein unvergleichlicher Meister sie geschaffen haben könne. Ein vorspringendes Obergeschoss aus weißem Alabaster, zwei sternklare Fenster, eine gerade Säule und ein Saal mit rosenfarbenen Mauern prägen ihr Inneres. Weiße, makellose Sessel stehen darin, und eine Harfe mit engelhaftem Klang hängt an der Wand. Am Fuß der Burg liegt ein liebliches Tal. Die Burg ist mit Goldfäden bedeckt, steht auf einem olivenbaumartigen Stamm und ist von einem alabasterweißen Rand umgeben. Zwei Äste mit je fünf Zweigen dienen täglich zur Reinigung der Burg und ihrer Räume.
C Bewohner der Burg (68–134)
Der Burgherr heißt Herr Reinout: stark, tapfer und ohne Betrug. Er ruht in einem grünen Hof voller Weinreben und Pflanzen und wacht über die Ehre. Fünf hervorragende Ritter schützen die Burg:
- Herr Nah-Hörer bewacht zwei Türme.
- Herr Klar-Seher verhindert, dass Makel durch die Fenster eindringen.
- Herr Gut-Riecher überwacht die Säule und hält schlechte Luft fern.
- Herr Schmecker prüft als Vorkoster alle Speisen.
- Herr Fein-Gefühl sorgt als Kämmerer für das rechte Maß von Wärme und Kühle und ruft bei Unwohlsein die Meister herbei, indem er die Harfe berührt.
D Allegorese der Burg und ihrer Einwohner (140–168)
Der Sprecher versichert, all dies selbst gesehen zu haben, und fragt das Publikum nach der Bedeutung der fünf Ritter. Dann legt er die Burg allegorisch aus: Sie sei das Haupt einer Jungfrau; das vorspringende Stockwerk ihre Stirn; die Säule ihre Nase; der Saal ihr Mund; die Sessel ihre Zähne; die Rosen ihre Wangen; das Tal ihr Kinn; der Baum ihr Körper; die weiße Borte ihr Hals; die fünf Zweige die Finger. Herr Reinout sei ihr Herz, die fünf Ritter ihre Sinne: Hören, Riechen, Fühlen, Schmecken und Sehen.
E Epilog (169–178)
Reine Frauen sollen sich vor bösen Männern hüten, die die Macht des Herzens zerstören könnten. Augustijnken, so nennt sich der Sprecher, mahnt alle tugendhaften Frauen, ihre Burg mit Hilfe der fünf Ritter zu schützen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 582f.)