Die sechs Farben I (B372)

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Die sechs Farben I (B372)

AutorIn
Entstehungszeit Vor Mitte 14. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. K 408, 10rb-11vb
Straßburg, Stadtbibliothek: Cod. A 94, 20vb-22va
Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 795, 4r-4v
Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek: Cod. Guelf. 16. 17. Aug. 4°, 81r-83r
Prag, Knihovna Nárondnijo muzea: Cod. X A 12, 75v-79r
Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 132v-137r
Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 5v-9v
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 5919, 239r-243r
London, British Library: Add. 24946, 107v-110r
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 393, 65r-68v
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 270, 165r-167v
München, Universitätsbibliothek: 2° ms 731 [Cim. 4], 167rb-168vb
Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 77, S. 325-328
Karlsruhe, Landesbibliothek: Donaueschingen 104, 18rb-19rb
Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 795, 4r-4v
Berlin, Staatsbibliothek: Fragm. 3
Ausgaben Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 172-214
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Die sechs Farben I; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 586-588; Mihm, Arend: Überlieferung und Verbreitung der Märendichtung im Spätmittelalter, S. 84

Inhalt

A Einleitung (1–31)

Der Sprecher erinnert an ein früheres Gespräch mit einer Dame, die wissen wollte, was er von der neuen Mode halte, mittels Kleiderfarben die Haltung gegenüber einer Minnedame anzuzeigen. Er bietet an, ihr das weiterzugeben, was er vom hochgeschätzten Grafen Wernher von Hohenberg über diese Farbzeichen erfahren habe.

B Lehrgespräch (32–210)

Die sechs Farben werden nacheinander erläutert. Der Sprecher gibt jeweils knapp ihre Bedeutung an: Grün steht für den Anfang und die Bereitschaft zur Liebe, Rot für das Entflammtsein, Blau für Beständigkeit, Weiß für Hoffnung auf Erhörung, Schwarz für Traurigkeit über ausbleibenden Lohn, Gelb für gewährte Hingabe. Die Dame reagiert jeweils ausführlich und kritisch. Grün lobt sie noch als klugen Einfall, doch bei Rot beklagt sie, viele trügen es prahlerisch ohne echte Liebe. Blau erscheine oft an Männern, die keineswegs treu seien; ihrer wahren Gesinnung entspräche eher Grau. Besonders empört ist sie über Männer, die mit Weiß behaupten, ein Hoffnungszeichen ihrer Dame erhalten zu haben; meist sei es gelogen, und Minnedinge gehörten ins Herz und nur vor einen verschwiegenen Gefährten. Bei Schwarz durchbricht sie die bisherige Logik, indem sie unbeständige Frauen verurteilt und ihnen selbst Schwarz als Strafe zuweist, womit sie die Wirksamkeit der Farbzeichen indirekt anerkennt. Gelb schließlich missbilligt sie scharf, da der empfangene Minnelohn unbedingt geheim bleiben müsse; wer vom Glück begünstigt werde, solle es verbergen wie ein Dieb seine Absicht.

C Schluss (211–220)

Die Dame dankt für die Belehrung und betont, dass ihre scharfe Kritik nicht dem Sprecher galt. Er erbittet ihren Segen und erhält ihn aus ihrem roten Mund.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 587f.)