Von der grauen Farbe (B383)

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Von der grauen Farbe (B383)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1530
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 227v-280r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Von der grauen Farbe; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 601f.

Inhalt

Die Minnerede beginnt unmittelbar mit der Rede des Mannes; ein Sprecher‑Ich fehlt, und nur wenige Inquit‑Formeln markieren die Wechsel. Der Mann zögert mit seinem Gruß, da er Verstimmtheit bei der Dame zu erkennen glaubt, und spricht ihre graue Kleidung an, die er als Zeichen sündhaften Übermuts deutet. Die Dame widerspricht: Grau zeige ein hohes Gemüt, und ihre Liebe sei noch unveröffentlicht, da sie aus Furcht vor der Umwelt schweige. Der Mann gesteht, dass es ihm ähnlich gehe und er seiner Verehrten seine Liebe ebenfalls noch nicht gestanden habe. Die Dame betont, dass die Geliebte ihm keine Gnade erweisen könne, solange sie nichts von seiner Neigung wisse. Der Mann nennt als Hindernis ihren höheren Stand und führt Beispiele an, die sowohl die Schwierigkeit als auch die Möglichkeit des Erfolgs in einer solchen Konstellation illustrieren; zugleich fürchtet er, durch ungeschicktes Werben alles zu verderben, und neigt zur Aufgabe. Die Dame ermutigt ihn und deutet ihr Entgegenkommen an. Der Mann bleibt unsicher, da er Täuschungen durch Frauen fürchtet. Daraufhin gesteht die Dame offen, dass er ihr heimlicher Geliebter sei, und dass er längst hätte ans Ziel gelangen können, wenn er den ersten Schritt getan hätte. Der Mann freut sich über ihre Offenheit, bietet seinen Dienst an und erklärt, auch er wolle Grau tragen, da es die beste und zugleich schwer zu deutende Farbe sei.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 601f.)