Das Herz als Garten der Liebe (B386)

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Das Herz als Garten der Liebe (B386)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung 1453-1458
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 714, 1r-12v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Das Herz als Garten der Liebe; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 605-607

Inhalt

A Einleitung (1–10)

Der Sprecher erklärt, er habe für seine Geliebte ein Gärtlein geschaffen, das ihr Trost und Freude schenken solle.

B Beschreibung des Gartens (11–94)

Der Garten erscheint als klassischer Locus amoenus mit Blumen und Vogelgesang, zugleich aber stark befestigt durch drei Gräben, Zwinger, Mauer, Tor, Türme, Wehrgang und Zinnen. Sechs Pflanzen und ihre zugehörigen Vögel strukturieren ihn: grüner Klee und Nachtigall, rote Rose und Phönix, weiße Lilie und Schwan, blaues Vergissmeinnicht und Turteltaube, violettes Veilchen und Pfau, gelbe Ringelblume und Adler.

C Auslegung der Gartenanlage (95–196)

Der Sprecher deutet das Gärtlein als sein Herz, das er in den Dienst der Geliebten stellt. Der erste Graben steht für die Liebe, die Loslösung vom Materiellen und das Prinzip des gegenseitigen Gebens. Der zweite Graben bedeutet Treue, ohne die Liebe nicht bestehen kann. Der dritte Graben ist die Beständigkeit, die alles schützt. Der Zwinger symbolisiert die Würde der Geliebten, die den Sprecher zur Bewahrung des Gartens verpflichtet. Die Pforte ist ihr Herz, der Pförtner ihr Wille, und die Tür besteht aus zwei Buchstaben: E und M.

D Auslegung der Vögel und Blumen (197–520)

Die Deutungen folgen einem lehrhaften Gestus und verbinden Tugenden mit Farben und Vögeln. Grün steht für den Beginn der Liebe und die treue Bindung der Nachtigall. Rot bezeichnet die flammende Begierde, die sich wie der Phönix erneuert, und verweist auf den verheißenden roten Mund. Weiß bedeutet Hoffnung und keusche Liebe; der Duft der Lilie wird mit gutem Ruf verglichen, während geheuchelte Tugend wie gemalte Blumen sei. Blau steht für Beständigkeit, besonders in schweren Zeiten; die Turteltaube dient als Beispiel unerschütterlicher Treue und als Warnung vor Verleumdung. Violett bedeutet Geheimhaltung, die die Tugenden schützt, veranschaulicht durch das Verhalten des Pfauenweibchens. Schwarz steht für Trauer und Klage; die Ringelblume und der Adler illustrieren Freigebigkeit im Glück. Eine ausführliche Verdammung von Eifersucht und Misstrauen schließt sich an, verbunden mit einem Gebet um vernünftige, gottbezogene Liebe.

E Schluss (521–528)

Der Sprecher nennt den Titel des Gedichts, bezeichnet es als Neujahrsgeschenk für die Geliebte und verbindet es mit einem Segenswunsch für das kommende Jahr.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 605-607)