Von dem Schiff (Augustijnken von Dordt) (B393)

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Von dem Schiff (B393)

AutorIn Augustijnken von Dordt
Entstehungszeit Überlieferung um 1400
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Brüssel, KBR; 15589-623, 108va-111vb
Brüssel, KBR: 15642-51, 87v-93r
Den Haag, Koninklijke Bibliotheek: Cod. 128 E 2, 56ra-59vb
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 619-622

Inhalt

A Exposition (1–12)

Der Sprecher eröffnet mit der Sentenz, dass derjenige gut belehrt sei, der Freude an den Tugenden habe, denn Gott belohne tugendhaftes Leben mit Freude.

B Spaziereingangseinleitung (13–59)

Von sommerlicher Freude überwältigt, spaziert der Sprecher im Juli in Dordrecht, sieht auf der Merwede ein kleines Schiff, geht an Bord und lässt sich treiben, bis er an einer prächtigen Mauer landet. Durch eine kleine Tür gelangt er zu einem Turm aus Jaspis, auf dessen Zinnen sieben Königinnen in goldbestickten Kleidern stehen. Am Turm entspringt ein Wasserlauf, und in seiner Nähe bauen hundert schöne Damen ein herrliches Schiff.

C Schiffsallegorese (60–291)

Eine Dame lädt ihn ein, das Schiff zu betrachten, das „Sicherheit“ heiße und weder Sturm noch Hitze fürchten müsse. Sie legt die Teile des Schiffs allegorisch aus: Der Mast bedeutet Beständigkeit; die Halteseile sind Kinder der Treue; das Segel steht für den freundlichen Blick, der inneres Leid mildert; die Rahe symbolisiert Demut; der Mastkorb Aufmerksamkeit; Pinne und Ruder Beherrschung; das Ankertau Verschwiegenheit; der Anker Festhalten und maßvolle Freigebigkeit. Der Steuermann heißt „Kunde“ und steht für Erfahrung und Urteilskraft. Der Wind, der das Segel füllt, bedeutet Kühnheit, die Damen wie Rittern hilft, ihre Ziele zu verfolgen.

D Abfahrt der sieben Personifikationen (292–424)

Auf die Frage nach der Ladung erklärt die Dame, dass die sieben Königinnen selbst an Bord gehen: Bescheidenheit, Beständigkeit, Scham, Treue, Gerechtigkeit, Maß und Freigebigkeit. Sie seien aus vielen Ländern vertrieben worden, weshalb Liebe oft scheitere. Die sieben steigen trotz der Klagen der übrigen hundert Frauen auf das Schiff. Der Steuermann setzt das Segel, der Wind der Kühnheit treibt die Kogge fort, und der Sprecher bleibt mit der trauernden Dame zurück.

E Die sechs bösen Herrscher (425–515)

Der Sprecher erkundigt sich nach der Burg. Die Dame erklärt, dort wohne Frau Ehre, deren Verwandte — die sieben Tugenden — von neuen, bösen Herrschern vertrieben worden seien: Neid, Lüge, Schamlosigkeit, Untreue, Böse Absicht und Gier. Diese hätten die alten Tugendordnungen zerstört und die Welt verdorben. Nur wenige wagten es noch, Frau Ehre zu dienen.

F Abschied (516–566)

Die Dame erschrickt und muss in die Burg zurückkehren. Sie nennt sich „Mitleid“ und erklärt, dass alle klagenden Frauen ihre Schwestern seien. Sie befiehlt den Sprecher Gott an. Er dankt ihr, kehrt zum Schiff zurück, rudert nach Dordrecht und berichtet dort, was er erlebt hat.

G Epilog (567–593)

Der Sprecher wendet sich an die edlen Herren und fordert sie auf, sich zu schämen, weil sie Frau Ehre vertrieben hätten. Sie müssten dafür sorgen, dass sie zurückkehre und nicht länger klagen müsse. Er nennt sich „Augustijnkijn“ und erklärt, er habe dies allgemein, nicht gegen Einzelne gesagt. Wer seinen Samen auf Erden sät, freue sich, wenn er wachse.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 620-622)