Streitgespräch über die Liebe (Hans Sachs) (B400)

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Streitgespräch über die Liebe (B400)

AutorIn Hans Sachs
Entstehungszeit 1. Mai 1515
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung
Ausgaben Von Keller, Adalbert/Goetze, Edmund (Hg.): Hans Sachs, Band 3, S. 406-417
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 637-639

Inhalt

A Vorspruch (1–4; 406,2–5)

Zwei einleitende Reimpaare stellen den Text als Darstellung des „Streits der Liebe“ vor: Er wolle von Freude und Wonne, aber ebenso von Schmerz und verborgenem Leid der Liebe berichten.

B Spaziergangseinleitung (1–46; 406,6–407,22)

Der Sprecher wandert über eine blühende Wiese, durch einen Wald und entlang eines Bachs zu einer Quelle, wo er im Schatten einer Linde ruht. Dort erscheint ein alter, schwarz gekleideter Mann, der sich melancholisch unter eine Eiche setzt, gefolgt von einem jungen Ritter in violetter Kleidung.

C Belauschtes Gespräch (47–361; 407,23–417,8)

Auf die Frage des Ritters klagt der Alte über den Tod seines zwanzigjährigen Sohnes, der aus Liebeskummer starb, nachdem die Geliebte einem anderen gegeben worden war. Er verflucht die Liebe und führt zahlreiche literarische Beispiele an, die ihre zerstörerische Kraft belegen sollen: Achill und Polixene, Jason und Medea, David und Batseba, Leander und Hero, Lucretia und Euryalus, Paris und Helena. Er warnt vor Eifersucht, Sehnsucht und Schande. Der Ritter verteidigt die Liebe als Quelle aller höfischen Freude und unterscheidet zwischen falscher und wahrer Liebe. Auch er nennt Beispiele: Samson und Delila als Warnung, Pyramus und Thisbe, Guiscard und Sigismunda, Tristrant sowie Florio und Biancefora als Belege für treue, erfinderische und stärkende Liebe. Hoffnung und Herzenseinheit seien Stützen in Leid und Trennung. Der Alte zieht schließlich ein bitteres Fazit über die Verderblichkeit der Liebe. Der Ritter antwortet lachend, da er selbst glücklich verliebt sei und sich mit einer französischen Herzogin in diesem Wald verabredet habe. Als er zum Treffpunkt eilen will, erscheint ein Greif, der eine Frau zerreißt. Der Ritter erkennt im herabfallenden Kopf seine Geliebte und bricht zusammen. Der Alte verweist auf die Erfüllung seiner Warnung und führt den Ritter, der den Kopf mitnimmt, fort.

D Schluss (362–386; 417,9–33)

Der Sprecher glaubt zunächst, geträumt zu haben, findet jedoch ein blutiges Haar als Beweis. Er erklärt, sein Text sei aus dem Wunsch entstanden, das Erlebte zu verstehen, auch wenn es sich nicht vollständig deuten lasse. Als Schlussmoral empfiehlt er, rechtzeitig von der Liebe zu lassen, sie sich für die Ehe aufzusparen und dann treu bei einer einzigen Liebe zu bleiben. Der Text endet mit einer Autorsignatur.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 638f.)