Streitgespräch zweier Frauen über die Minne (B401)

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Streitgespräch zweier Frauen über die Minne (B401)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1431
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Rahmenfassung:
Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 56v-60r
Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 2370, 42v-46r
Berlin, Staatsbibliothek: Mgo 186, 15r-20v
Dessau, Anhaltische Landesbücherei, Wissenschaftliche Bibliothek und Sondersammlungen Georg: 150 8°, 175r-180v
Gotha, Forschungsbibliothek: Cod. chart. A 985, 1ra-1vb
Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 184r-188r
Prag, Knihovna Národniho muzea: Cod. X A 12, 44r-46v
Stuttgart, Landesbibliothek: Poet. et phil. 4° 69, 240v-243v

Gesprächsfassung:

Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 381r-384r
Trier, Stadtbibliothek: 1120/128a 4°, 1r-3r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Streitgespräch zweier Frauen über die Minne; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 640-642

Inhalt

A Spaziergangseinleitung (1–26)

Der Sprecher möchte sein Liebesleid für eine Weile hinter sich lassen und sucht Zerstreuung in der Natur. Auf einer Wiese entdeckt er unter einer großen Linde eine Dame an einer Quelle; eine zweite Dame kommt hinzu, sie begrüßen sich und beginnen ein Gespräch.

B Belauschtes Streitgespräch (27–183)

Die erste Dame erklärt, dass ihr der Anblick ihres Liebhabers die größte Freude schenke. Die zweite bekennt, sich bewusst von der Liebe fernzuhalten, und möchte klären, welche von ihnen das bessere Leben führe. Die Liebende preist die ritterliche Hohe Minne: Ihr Geliebter schätze sie über alles, bewähre sich ihretwegen ritterlich und bringe ihr Schmuck; sein Dienst sei ihre höchste Freude, auf die die andere verzichte. Die Nichtliebende betont dagegen, ebenfalls Freude zu suchen und zu besitzen – eine dauerhafte, da sie nicht von einem bestimmten Mann oder dessen Gegenliebe abhänge. Liebe erfülle nicht alle Hoffnungen und enttäusche oft den, der ihretwegen viel Leid ertrage. Ihr Leben sei stetig freudvoll, während die Liebende zwischen Freude und Leid schwanke. Die Liebende widerspricht: Liebe sei Ursprung aller Freude, mache alles erträglich und versetze das Herz in Hochstimmung; im Anblick des Geliebten, im vertrauten Gespräch und in süßen Blicken liege höchste Wonne. Die Nichtliebende verweist erneut auf die Zerbrechlichkeit des Liebesglücks: Trennung bringe unendlichen Kummer, während sie selbst das ganze Jahr hindurch glücklich sei. Die Liebende drängt auf ein Ende des Streits und betont, an einem Tag mehr Freude zu erfahren als die andere in einem Jahr; die Unbilden nehme sie gern in Kauf. Da sie selbst nicht entscheiden könne, welche Lebensform die bessere sei, solle das Gespräch enden – an ihrem Geliebten halte sie dennoch ewig fest.

C Kontaktaufnahme und Klage (184–210)

Der lauschende Sprecher fragt sein Herz um Rat, das ihm rät, auf die Damen zuzugehen, um vielleicht Trost zu finden. Er tritt hervor und grüßt; eine Dame fragt ihn spöttisch nach dem Grund seiner Anwesenheit. Als er erklärt, auf der Suche nach der Liebe seiner Dame zu sein, weist sie ihm eine nahe Straße, die ihn stets auf den rechten Weg führen werde. Nach der Verabschiedung beklagt der Sprecher seine fortdauernde Irre – getrennt von der Dame an der Quelle oder von seiner Geliebten.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 641f.)