Die Beständige und die Wankelmütige (B405)

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Die Beständige und Wankelmütige (B405)

AutorIn
Entstehungszeit
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Prag, Knihovna Nárondniho muzea: Cod. X A 12, 37v-44r
Wien, Österreichsiche Nationalbibliothek: 2959, 94r-102v
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 439, 38r-47r
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 713, 72r-81v; 200v-213r<b< />Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 400r-406v
Stuttgart, Landesbibliothek: Poet. et phil. 4° 69, 249v-257r
Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 2370, 46r-52v
Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8, 176v-184r
Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 48v-56r
Dessau, Anhaltische Landesbücherei: Wiss. Bibl. u. Sondersammlungen Georg 150 8°, 94r-106v
Ausgaben Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 269-301
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Die Beständige und die Wankelmütige; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 656-658

Inhalt

A Ausritt und Ankunft bei einer höfischen Gesellschaft (1–67)

Der Sprecher reitet an einem Maitag aus, um die Welt zu erkunden, und stößt auf eine höfische Tanzgesellschaft. Dort fühlt er sich fremd und einsam und verurteilt sich selbst für diese Isolation, die er seiner jugendlichen Torheit zuschreibt. Er erkennt einige Bekannte, wagt aber nicht, sie anzusprechen, um niemandem zur Last zu fallen. Während alle anderen singen, erzählen, klagen oder sich umarmen, irrt er als einziger unbeholfen umher. Schließlich entdeckt er einen abgeschlossenen Raum, in dem eine Frau von großer äußerer und innerer Schönheit sitzt; sein Herz reagiert heftig auf ihren Anblick. Dann bemerkt er jedoch, dass sie in Begleitung einer kostbar gekleideten Dame ist, die ihm wankelmütig erscheint.

B Belauschtes Streitgespräch mit Bezug auf Hadamar von Laber (68–260)

Der Sprecher lehnt sich an die Tür und belauscht den Streit der beiden Frauen. Die tugendhafte Dame wirft der anderen vor, ihren Ritter vergessen und betrogen zu haben, obwohl er für sie auf aventiure gezogen sei und ihr Treue geschworen habe. Die Wankelmütige verteidigt sich mit der langen Trennung: Er habe sie verlassen, und sie wolle nicht wie eine Nonne leben, sondern Freude mit einem anderen finden. Die Beständige klagt über das Unrecht gegenüber dem Ritter und über die Schande, die die Untreue über alle tugendhaften Frauen bringe. Sie zitiert Hadamar von Laber als Autorität für die Forderung nach ungeteilter Liebe. Die Wankelmütige verspottet dies und verweist auf einen anderen Spruch desselben Dichters, wonach lange Trennung die Liebe zerstöre. Sie erklärt, sie werde sich stets einen neuen Liebhaber suchen, wenn einer sie verlasse. Die Beständige wird zornig, betont ihre eigene Treue und verurteilt das freizügige Verhalten der anderen, die sogar mehrere Liebhaber empfehlen würde. Schließlich bricht die Beständige das Gespräch ab.

C Entdeckung des Sprechers (265–334)

Als die Beständige den Raum verlassen will, entdeckt sie den Sprecher. Er erschrickt, doch sie spricht ihn an und lädt ihn ein einzutreten. Drinnen trifft er auch die Wankelmütige. Die Beständige fordert ihn auf, zwischen ihnen beiden eine Herrin zu wählen. Der Sprecher ist verängstigt und ringt um Worte, erklärt schließlich, er wolle beiden dienen. Da die Wankelmütige auf einer Entscheidung besteht, schlägt die Beständige ein Würfelspiel vor. Wie der Sprecher hofft, gewinnt die tugendhafte Dame, und er bekennt sich freiwillig zu ihrem Dienst.

D Lehre der Beständigen (335–397)

Die Beständige erteilt ihm Ratschläge: Er solle Gott über alles lieben, die Gebote halten und alle Frauen ehren; zudem habe er ihre Erlaubnis, sich eine andere Herrin zu wählen. Die Wankelmütige verspottet diese Lehre als übertrieben fromm, doch die Beständige weist sie zurecht und setzt fort. Der Sprecher versichert seine ausschließliche Hingabe, und die Dame verspricht, ihm trotz Trennung treu zu bleiben. Sie segnet ihn, und er verlässt den Raum, während die Wankelmütige schweigt.

E Schluss (398–408)

Der Sprecher eilt zurück zur Tanzgesellschaft. Später denkt er über die Lehre der Beständigen nach und erinnert sich an ihre Erlaubnis, einer anderen Frau zu dienen. Doch er weiß, dass er niemals davon Gebrauch machen wird, denn keine Frau habe ihm je so gut gefallen wie sie.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 657f.)